BiologieKlimawandel macht Haie zahnlos

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Schwarzspitzen-Riffhaie im Sealife Oberhausen.
Schwarzspitzen-Riffhaie im Sealife Oberhausen. Foto: Max Baum/Frontiers press
  • Die Versauerung der Ozeane durch den Klimawandel könnte künftig die Zähne von Haien auflösen und korrodieren lassen.
  • In einer Studie zeigten Haizähne nach acht Wochen in saurem Meerwasser dramatische Schäden mit Löchern, Rissen und aufgelösten Wurzeln.
  • Kaputte Zähne bedrohen das Überleben der Haie, da sie ihre Zähne zum Fangen und Zerschneiden ihrer Beute benötigen.
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Die Versauerung der Ozeane könnte künftig womöglich die Zähne von Haien auflösen.

Von Tina Baier

Wenn die Zahnärztin die Tube mit der fluorhaltigen Paste zückt, hat man es geschafft. Die Tortur ist vorbei, die Zähne werden noch sanft eingepinselt, begleitet von freundlichen, aber strengen Ermahnungen, Zahnseide zu benutzen und säurehaltige Getränke wie Cola zu meiden. Säure greift nämlich den Zahnschmelz an und erleichtert Kariesbakterien das Leben. Da hilft dann auch die Fluorbehandlung nichts mehr, die den Zahnschmelz widerstandsfähig machen soll.

Haie trinken zwar keine Cola, trotzdem könnten sie künftig ein ähnliches Problem mit ihren Zähnen bekommen wie Menschen, die zu viele Softdrinks trinken, sagt Max Baum, Biologe an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Ihr Zahnschmelz wird dünn und löchrig.

Der Grund dafür sei der Klimawandel und die damit verbundene Versauerung der Meere, schreibt ein Team um Baum in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Frontiers in Marine Science. Denn wenn der CO₂-Gehalt in der Luft steigt, gelangt auch mehr Kohlendioxid in die Meere, wo es mit Wasser zu Kohlensäure reagiert. Die Folge: Der pH-Wert des Wassers sinkt, die Ozeane versauern. Und da Haizähne wie Menschenzähne zu einem großen Teil aus Kalziumkarbonat, also Kalk bestehen, werden sie durch Säure zersetzt. „Es ist wie beim Badputzen“, sagt Baum. „Kalkflecken lösen sich durch Essigsäure auf.“

Für die Studie hat Baum im Sealife Oberhausen in einem großen Aquarium mit Schwarzspitzen-Riffhaien getaucht und Zähne eingesammelt, die den Raubtieren ausgefallen sind. Einige davon legte er acht Wochen lang in Meerwasser mit einem pH-Wert von 7,3. Diesen werden die Meere Prognosen zufolge als Folge des Klimawandels im Jahr 2300 haben. „Der Effekt war dramatisch“, sagt Baum. Die Oberfläche der Zähne war korrodiert, die Wurzeln teilweise aufgelöst, und in den Zahnkronen zeigten sich Löcher und Risse.

Kaputte Zähne sind so ziemlich das Schlimmste, was einem Hai passieren kann; schließlich braucht er seine Zähne, um seine Beute zu fangen und wie mit einem Messer zu zerschneiden. Die Evolution hat deshalb eigentlich dafür gesorgt, dass Haie nie zahnlos sind, und das Revolvergebiss erfunden: Bei den meisten der etwa 550 lebenden Haiarten liegen hinter der ersten Zahnreihe zehn bis 15 Reihen mit Ersatzzähnen. Wenn ein Zahn abbricht oder ausfällt, schiebt sich der Ersatz innerhalb kürzester Zeit in die Lücke.

Gegen den steigenden Säuregehalt der Meere hilft diese geniale Erfindung allerdings wenig. Wie die aktuell benutzte vorderste Zahnreihe werden auch die Ersatzzähne bei Schwarzspitzen-Riffhaien und vielen anderen Arten permanent von Meerwasser und der darin enthaltenen Säure umspült. „Haie sind Passivatmer, sie haben keine Kiemenmuskulatur und können den Sauerstoff aus dem Wasser nur nutzen, indem sie 24/7 mit offenem Maul herumschwimmen“, sagt Baum.

Die Versauerung der Ozeane ist also eine ernsthafte Bedrohung für diese Tiere. Schon jetzt sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion ein Drittel aller Haiarten gefährdet. Die aktuelle Studie zeigt einmal mehr: Der Mensch ist für Haie eine viel größere Gefahr als umgekehrt.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version des Textes war zu lesen, dass ein pH-Wert von 7,3 „leicht sauer“ sei. Richtig ist, dass erst Werte unter 7 als sauer gelten. Wir haben dies korrigiert.

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