Süddeutsche Zeitung

Haie auf Jagd:Stereo-Riecher

Amerikanische Biologen haben herausgefunden, dass Haie, um ihre Beute aufzuspüren, den zeitlichen Abstand nutzen, mit dem der Geruch eines Beutetieres auf die beiden Nasenlöcher trifft. Das stellt bisherige Beutefangtheorien in Frage.

Katrin Blawat

Um ihre Beute zu orten, nutzen Haie den zeitliche Abstand, mit dem der Duft eines Beutetieres auf die beiden Nasenlöcher trifft. Die Tiere können Differenzen ab 100 Millisekunden erkennen, schreiben die amerikanischen Biologen Jayne Gardiner und Jelle Atema (Current Biology, online).

Sie bastelten eine Art Headset, durch das den Haien zeitlich versetzt und für jede Seite separat eine Fischlösung in die beiden Nasenlöcher gesprüht wurde. Die Forscher variierten sowohl die Konzentration der Lösung als auch die zeitliche Differenz, mit der sie die beiden Nasenlöcher erreichte.

Betrug diese Differenz höchstens eine halbe Sekunde, wendeten die Haie ihren Kopf stets nach rechts, wenn zuerst das rechte Nasenloch beduftet wurde, beziehungsweise nach links, wenn der Beutegeruch zuerst die linke Seite erreicht hatte.

Dies funktionierte selbst dann, wenn der Duft am zuerst besprühten Nasenloch deutlich schwächer konzentriert war als derjenige an der verspätet besprühten Seite. Die aktuelle Studie stellt die bisherige Vermutung infrage, dass sich Haie an der Konzentration der Duftmoleküle orientieren.

Diese unterscheidet sich links und rechts, je nachdem, welche Richtung das Beutetier gewählt hat. Dieser Mechanismus sei für Haie jedoch offenbar weniger entscheidend als die zeitliche Differenz, schlussfolgern die Wissenschaftler nun.

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Quelle:
SZ vom 11.06.2010
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