Grüne Gentechnik Neue Grapefruitsorten durch radioaktive Strahlung

Auch die konventionelle Züchtung kennt Verfahren, die jeden sofort auf die Straße treiben müssten, der einen Genfood-Nein-Danke-Sticker auf dem Auto kleben hat. Zum Beispiel sind heute weit verbreitete Grapefruitsorten entstanden, indem man ihr Erbgut mit radioaktiver Strahlung traktierte. Das erhöht die Mutationsrate, das Erbgut verändert sich schneller als normal - und mit viel Glück in eine vom Menschen gewünschte Richtung.

Ähnliches lässt sich auch durch eine massive Ladung Chemikalien erreichen. Eine eklige Vorstellung? Vielleicht. Doch was kümmert's, solange sich alles noch irgendwie unter den Nimbus der Natürlichkeit quetschen lässt. Zudem fehlen für diese Zuchtmethoden so wortgewaltige Kritiker, wie sie für die Grüne Gentechnik parat stehen. In Deutschland können die mit der sogenannten Mutagenese gezüchteten Sorten auch als Bio-Obst verkauft werden. In Kanada werden die so entstandenen Pflanzen hingegen ebenso reguliert wie gentechnisch veränderte.

Darf es ein weiteres Beispiel sein für die unsinnige Kategorisierung in konventionelle Züchtung und Gentechnik? Herbizidresistente Pflanzen sind der Lieblings-Spielball sowohl der Gentechnik-Befürworter als auch ihrer Gegner. Gewächse, die unempfindlich gegen ein Unkrautgift sind, dienen oft als Paradebeispiel für die verheerenden Folgen Grüner Gentechnik. Weil sie den sorglosen und üppigen Einsatz von Herbiziden ermöglichen, förderten sie die Entwicklung von "Super-Unkräutern", denen bald gar nicht mehr beizukommen sei. Außerdem würden sie, da Saatgut und Herbizid als Paket vertrieben werden, einer Handvoll Großkonzerne helfen, ihre Macht zu konzentrieren. Herbizidresistente GVO-Pflanzen sind in den Augen vieler Kritiker die Schlimmsten unter den Schlimmen.

Ob in der dunkelschwarzen Ecke noch Platz bleibt für einen Raps aus konventioneller Züchtung? Auch er ist herbizidresistent, entwickelt mithilfe der Mutagenese und vieler Chemikalien. Sprühen Landwirte auf Feldern mit dem sogenannten Clearfield-Raps Gift, vergeht das Unkraut, der Raps besteht.

Seit 2012 darf er auf deutschen Feldern wachsen, ohne jede Kennzeichnung oder Mindestabstände zu benachbarten Feldern, wie sie für GVO-Pflanzen Pflicht sind. Dabei bleibt der Wirkstoff des Giftes im "Clearfield-System" einigen Studien zufolge noch länger im Boden als Glyphosat - jenes Gift, das Monsanto zusammen mit seinen GVO-Pflanzen vertreibt. Auch eine offizielle Stellungnahme zum Clearfield-System klingt alles andere als beruhigend. "Dort, wo eine unkontrollierte Ausbreitung der Clearfield-Eigenschaften nicht ausgeschlossen werden kann, lehnen wir das System ab", heißt es von Landwirtschaftsbehörden in sieben Bundesländern.

Viele weitere Beispiele könnten bestätigen: Konventionelle Züchtung und Gentechnik führen nicht zwangsläufig zu verschiedenen Pflanzen oder Eigenschaften. Beide Arbeitsweisen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich oft. Gentechnische Methoden füllen nicht mehr nur die Lücken, die konventionelle Züchtungen offen gelassen haben.

In vielen Fällen setzen Forscher Gentechnik heute lediglich ein, um schneller und oft zielgerichteter zu erreichen, was mit mehr Zeit und Aufwand auch durch konventionelle Züchtung möglich wäre. Das zu bedenken bedeutet nicht, die Unwägbarkeiten klein zu reden, die von GVO-Pflanzen ausgehen können. Risiken kann es geben; sie müssen diskutiert und untersucht werden. Das aber bitte bei allen Pflanzen, wo es nötig erscheint, unabhängig von ihrer Entstehungsweise.