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Grüne Gentechnik:Kartoffeln außer Kontrolle

Gerade erst hat Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP) die ersten BASF-Genkartoffeln Amflora aus dem Boden geholt. Jetzt verbietet Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister das Inverkehrbringen der Pflanzen.

Nur wenige Tage ist es her, da holte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) höchstselbst die ersten BASF-Genkartoffeln Amflora aus dem Boden. Es war ein werbewirksamer "Erntestart" in Mecklenburg-Vorpommern, bei dem die Chancen der Biotechnologie in den höchsten Tönen gelobt wurden.

Genkartoffel-Ernte begonnen

Genkartoffel-Ernte mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Nun hat Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) das Inverkehrbringen von Amflora verboten.

(Foto: ddp)

Doch der Versuch, die Bedenken der Gentechnik-Gegner dadurch zu zerstreuen, wirkte, wenn überhaupt, nur für kurze Zeit. Denn schon eine Woche später kommt das Aus: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) verbietet das Inverkehrbringen von Amflora.

Dies ist der zweite Rückschlag für eine gentechnisch veränderte Pflanze in Deutschland, die kommerziell zugelassen ist. Im vorigen Jahr hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Anbau der Genmaissorte MON 810 des Konzerns Monsanto aus Umweltgründen verboten. Der Mais war gentechnisch so verändert worden, dass die Pflanzen ein Schädlingsgift produzierten, das nach Einschätzung von Kritikern Bodenorganismen gefährde.

Hintergrund im jüngsten Fall ist, dass auf Amflora-Feldern in Schweden Pflanzen der noch nicht zugelassenen BASF-Genkartoffel Amadea gefunden worden waren. Beide Kartoffeln sollen einen höheren Ertrag von Stärke für die Papier-, Garn- und Klebstoffindustrie liefern - für den Verzehr sind sie nicht gedacht. Die Ernte der Amflora-Kartoffel in Mecklenburg-Vorpommern werde nun einlagert und untersucht, sagte eine BASF-Sprecherin.

Die Vermischung der Sorten liefert den Gegnern der Gentechnik neue Argumente, zumal der BASF-Konzern die Ursache der Vermischung zunächst nicht nennen kann. Die Gentechnik-Expertin der Umweltorganisation Greenpeace, Stephanie Töwe, sagte: "BASF kann gentechnisch manipulierte Pflanzen offenbar nicht kontrollieren".

Es sei beunruhigend, dass ein derart großes Unternehmen keine bessere Qualitätssicherung habe. Experten halten es für möglich, dass das Saatgut der Kartoffeln vertauscht wurde. Laut BASF wurden die nicht zugelassenen Amadea-Kartoffeln entdeckt, da sie weiß blühen. Amflora bilde dagegen nur wenige violette Blüten. "Wir prüfen, ob unsere Qualitätssicherungssysteme ausreichen", sagte die BASF-Sprecherin. "Wir stellen uns die Frage, wie das passieren konnte."

Diese Frage stellen sich auch andere. Die EU-Kommission etwa bestellte BASF-Manager am Mittwoch zum Rapport nach Brüssel. Die Manager sollten erklären, wie es zu der Freisetzung der nicht zugelassenen Amadea-Kartoffel kommen konnte.

Erzürnt zeigt sich Landwirtschaftsminister Backhaus: "Mein Vertrauen in das Qualitätssicherungssystem der BASF ist stark erschüttert." Er werde die Dokumente und Verfahrensabläufe bei der Ernte, der Lagerung und der Ausbringung der Kartoffeln "nahtlos prüfen lassen". Amflora wird außer in Deutschland und Schweden noch in Tschechien angebaut. Im März hatte die EU-Kommission die Zulassung nach jahrelangem Ringen erteilt.

Die EU-Zulassung der Amadea-Kartoffel hat BASF dagegen erst Ende August beantragt. Der Vorfall in Schweden dürfte den Genehmigungsprozess nicht gerade fördern. "Die Vorfälle in Schweden bestätigen die Probleme, die ich in der Koexistenz beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen sehe", sagt Backhaus. Ein Anbauverbot der Amflora-Kartoffel sei daher die beste Lösung.