Größter Wellensimulator der Welt Irgendwann wird das Wasser über den Beton siegen

Da ist zum Beispiel dieser alte Deich im Norden des Landes. Dort wurden vor 100 Jahren basketballgroße Steine mit einer Betonschicht überzogen. "Heute werden Deiche nicht mehr so gebaut", sagt die Deutsche Dorothea Kaste, die seit drei Jahren für Deltares arbeitet. Manche befürchten daher, dass der Deich im Norden nicht mehr stabil genug für eine Jahrtausendflut ist. Weil eine Sanierung aber teuer ist, hat die Küstenschutzbehörde Deltares mit einer Bestandsaufnahme beauftragt.

Ein Steinmetz hat also auf der Rampe am einen Ende des Deltaflume-Kanals den alten Deich nachgebaut. Alle vier Sekunden prasselt eine Welle auf den Stein ein, tausendmal hintereinander. Mit jeder der zehn Messreihen lassen die Ingenieure mächtigere Wellen auf den Test-Deich los. Sobald er Risse oder Dellen bekommt, ist der Versuch beendet - und die Ingenieure wissen, was das Gestein aushält.

Während jeder 90-minütigen Messreihe müssen die Mitarbeiter auf einer Plattform oberhalb des Kanals ausharren und die Rampe beobachten. Manchmal spritzt die künstliche Brandung so hoch, dass es die Mitarbeiter durchnässt. Die Angestellten wollen trotzdem kein schlechtes Wort über ihre Arbeit verlieren. "Es ist nicht so, dass einem nach drei Wellen langweilig wird", sagt Dorothea Kaste und schaut in den Kanal hinab. Schließlich gleiche keine Welle der anderen, Wasser nehme immer neue Formen an.

Dabei sorgt die Elektronik der Deltaflume eigentlich dafür, dass möglichst gleichmäßige Wellen durch den Kanal laufen. Ein Computer steuert die Bewegung der Motoren. Dabei registriert die Elektronik, wenn reflektierte Wellen wieder den Ausgangspunkt erreichen und gleicht die Bewegung der Platte an. Die Forscher können sogar Gezeiten simulieren, indem sie den Wasserpegel im Kanal anheben.

Aber vollständig lassen sich die Wellen nicht bändigen. Mal fällt das Wasser fast zaghaft auf den Test-Deich. Mal stürzt eine Welle so kraftvoll auf die Rampe, dass es so wirkt, als habe jemand Dynamit gezündet. Schon beeindruckend, dass Steine so etwas aushalten. Aber an einem besteht kein Zweifel in Delft: Irgendwann wird das Wasser über den Beton siegen. Wenn der Test-Deich bei keiner der Messreihen nachgibt, lässt die Deltaflume so lange riesige Wellen los, bis das Gestein bricht.