Arktis Grönlands Eispanzer schmilzt immer schneller

Grönland verliert jährlich Hunderte Milliarden Tonnen Eis.

(Foto: Ulrich Scharlack/dpa)
  • Satellitenaufnahmen zeigen, dass Teile Grönlands erschreckend schnell tauen.
  • Klimatologen befürchten, dass der Meeresspiegel dadurch schneller ansteigt als vermutet.
Von Christoph von Eichhorn

Die Eisschmelze in Grönland hat sich, angetrieben vom Klimawandel, deutlich beschleunigt und könnte stärker zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen als bislang vermutet. Zu diesem Ergebnis kommen Klimatologen der Ohio State University im Fachmagazin PNAS.

Dass Grönland einer der Brennpunkte der Erderwärmung und der damit verbundenen Eisschmelze ist, ahnen Wissenschaftler schon länger. Bislang hatten sie jedoch vor allem die großen Gletscher der arktischen Insel im Verdacht. Über die Gletscher fließen große Mengen Eis ins Meer und driften als Eisberge davon.

Mithilfe des deutsch-amerikanischen Satellitenprojekts GRACE verschafften sich die Forscher aus Ohio nun einen detaillierten Überblick. Die Analysen zeigten, dass jetzt auch der Südwesten der Insel erschreckend schnell taut - eine Region, in der es überhaupt keine Gletscher gibt. Vielmehr beobachten die Forscher, dass warme Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung das Eis dort direkt an der Oberfläche schmelzen lassen. In Rinnsalen fließt das Wasser dann ins Meer. Insgesamt habe sich der Eisverlust auf Grönland zwischen 2003 und 2013 vervierfacht, auf rund 393 Milliarden Tonnen pro Jahr.

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Die Klimatologen vermuten, dass die Eisschmelze eng mit der sogenannten Nordatlantischen Oszillation (NAO) gekoppelt ist, einem Wetterphänomen, das, vereinfacht gesagt, abwechselnd warme oder kalte Luft Richtung Grönland und Europa schaufelt. Während des Untersuchungszeitraums verursachte das Phänomen häufig wärmere Temperaturen, wolkenlose Himmel und weniger Schneefall. Zwar handelt es sich um ein natürliches Wettermuster.

Dass es das Eis Grönlands nun derart angreift, schreiben die Forscher jedoch dem vom Menschen verursachten Klimawandel zu. "Es liegt daran, dass die Atmosphäre insgesamt im Durchschnitt wärmer ist", sagt Michael Bevis von der Ohio State University, der die Messungen leitete. Die flüchtige Temperaturzunahme aufgrund der NAO entfalte erst durch die globale Erwärmung ihre ganze Wucht. Diese Kombination sei künftig häufiger zu erwarten, zudem werde der Einfluss der globalen Erwärmung stärker. "Das wird einen zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels auslösen", sagt Bevis. "Wir beobachten, wie die Eisdecke einen Kipppunkt erreicht."

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