Grippewellen-Übung:Die simulierte Pandemie

Teilnehmer der Übung ist auch die Bundeswehr. Sie überprüft dabei, ob ihre neue Struktur der zivil-militärischen Zusammenarbeit funktioniert. Auf Länder-, Bezirks- und Kreisebene hat die Bundeswehr Verbindungsbeauftragte eingesetzt. Sie sollen ihre zivilen Partner schnell über eine mögliche Unterstützung der Streitkräfte informieren und Hilfeersuchen im Apparat der Bundeswehr in die richtigen Kanäle leiten.

Der Einsatz der Bundeswehr im Innern ist durch das Grundgesetz erlaubt bei Naturkatastrophen und bei besonders schweren Unglücksfällen, wenn ein Bundesland allein mit einer Krisensituation nicht fertig wird. Berühmte Beispiele waren das Elbe-Hochwasser im August 2002, als 45 000 Soldaten im Einsatz waren, und die Vogelgrippe-Epidemie auf Rügen im Winter 2006, als die Bundeswehr bei der Beseitigung der toten Vögel und bei der Desinfektion der Zufahrtswege half.

Die dritte große Stabsübung

Bei Lükex 07 könnte die Bundeswehr ins Spiel kommen, wenn beispielsweise Opfer der Grippe-Pandemie in Krankenhäuser transportiert oder Kranke auf Isolierstationen versorgt werden müssen. "Wir sind diejenigen, die immer nur darauf warten, dass man sie ruft", sagt ein Offizier. Die Bundeswehr sei gut vorbereitet. "Wir lernen immer, sei es aus dem G-8-Gipfel in Heiligendamm oder aus dem Papstbesuch."

Lükex 07 ist bereits die dritte große Stabsübung. Im Jahr 2004 versuchten die Teilnehmer, mit einem simulierten länderübergreifenden Stromausfall zurechtzukommen. Ergebnis: Ausgerechnet ein Krisenstab tagte in einem Gebäude, wo es keine Notstromaggregate gab.

Aus so etwas lernt man. Im Herbst 2005 bereiteten sich die Verantwortlichen bei Lükex auf die Fußballweltmeisterschaft vor - mit einem Overkill an Katastrophen, von der Sarin-Vergiftung im Stadion bis zum Absturz eines Flugzeugs auf eine Chemiefabrik. Es ist dann doch nichts passiert. Aber man hatte geübt.

© SZ vom 7.11.2007
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