BiologieGrindwale müssen sich anschreien, um den Lärm der Menschen zu übertönen

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Ein Grindwal beim Auftauchen. Die Tiere, die zur Familie der Delfine gehören, werden bis zu sieben Meter lang.
Ein Grindwal beim Auftauchen. Die Tiere, die zur Familie der Delfine gehören, werden bis zu sieben Meter lang. imago stock&people/imago/imagebroker

Die Straße von Gibraltar gehört zu den meistbefahrenen und lautesten Schiffsrouten weltweit. Es hilft nur eines: Die Tiere müssen laut werden.

Von Tina Baier

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In der Tiefe der Ozeane ist es, anders als die meisten Menschen vermuten, nicht still. Die Bewohner der Meere zirpen, brummen, schnattern, raspeln und singen, um sich miteinander zu verständigen. Und wie bei Menschen reden manchmal alle durcheinander. Das Sprichwort „Stumm wie ein Fisch“ ist genauso falsch wie die Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe ist.

Allerdings kommt es immer öfter vor, dass der Mensch die Kommunikation unter Wasser stört, etwa durch laute Schiffsmotoren, die die Geräusche der Tiere übertönen. Grindwale in der Straße von Gibraltar, einer der meistbefahrenen und deshalb lautesten Schiffsrouten weltweit, wissen sich aber bis zu einem gewissen Grad zu helfen, berichten Biologen jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Biology: Sie unterhalten sich einfach lauter.

Mithilfe einer sechs Meter langen Stange platzierten die Forschenden von einem Schiff aus Aufnahmegeräte auf dem Rücken von 23 Grindwalen. Die Rekorder zeichneten alle Unterwassergeräusche auf, außerdem registrierten sie die Bewegungen der Tiere sowie die Tiefe, in der sie schwammen. Nach 24 Stunden lösten sich die Geräte von den Walen und stiegen an die Wasseroberfläche, wo sie von den Biologen wieder eingesammelt wurden.

Lärm könnte dazu führen, dass sich die Tiere verlieren

Mithilfe der Aufzeichnungen versuchte das Team um Milou Hegemann von der dänischen Aarhus-Universität zunächst zu verstehen, was die Wale unter Wasser hörten, welche Geräusche sie machten, und was sie dabei taten: ob sie alleine waren oder in der Gruppe, ob sie jagten, spielten oder sich ausruhten.

Insgesamt 1336 Rufe analysierten die Biologen und ordneten sie verschiedenen Kategorien zu: hochfrequente Rufe, kurze Rufe, niederfrequente Rufe und Rufe, die aus zwei Teilen bestehen. Zudem werteten sie die Lautstärke der Hintergrundgeräusche etwa durch Schiffsmotoren aus, die auf den Aufnahmen zu hören waren. Der Studie zufolge reichten sie von 79 Dezibel, was etwa der Geräuschkulisse in einem vollen Restaurant entspricht, bis hin zu 144 Dezibel. Das entspricht etwa der Lautstärke eines Staubsaugers.

Die Kombination all dieser Daten ergab, dass die Grindwale umso lauter rufen, je lauter die Umgebung ist. Man könnte auch sagen, sie versuchen, den Menschenlärm zu überschreien. „Wir haben herausgefunden, dass die Grindwale ihre Lautstärke pro Dezibel Umgebungslärm um etwa 0,5 Dezibel erhöhen“, schreiben die Forschenden in ihrer Studie.

Allerdings können die Tiere den Wissenschaftlern zufolge ihre Lautstärke nicht unendlich steigern. Speziell bei den niederfrequenten Rufen und den Rufen, die aus zwei Teilen bestehen, schreien sie in der Straße von Gibraltar oft schon so laut sie nur können.

Wenn sie es nicht mehr schaffen, den Menschenlärm zu überbrüllen, könnten die Grindwale nach Einschätzung der Studienautoren Schwierigkeiten bekommen, einander wiederzufinden. Nach allem, was man weiß, nutzen sie diese Art von Rufen nämlich, um ihre Familie zu orten, etwa wenn sie auf der Suche nach Tintenfischen alleine Hunderte Meter tief getaucht sind.

Menschengemachter Unterwasserlärm wird auch als Ursache von Massenstrandungen diskutiert, die bei Grindwalen öfter vorkommen. Die sozialen Tiere folgen nämlich einem Familienmitglied, das die Orientierung verloren hat, häufig in gefährlich flaches Wasser.

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