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Glyphosat:Der Einsatz von Glyphosat könnte bald stärker eingeschränkt werden

Was passiert, wenn die Zulassung in fünf Jahren erneut verlängert wird?

Es ist nicht realistisch, dass Glyphosat noch einmal zur Wiedervorlage kommt und mit Erfolg verlängert wird. Das zeigt der enorme Druck, der jetzt im Zulassungsverfahren gesteckt hat, und die Erinnerung wird noch sehr frisch sein, wenn man sich der Angelegenheit in fünf Jahren wieder annimmt. Ich sehe da keine langfristige Perspektive mehr. Zumal Glyphosat in diesen kommenden Jahren sicherlich mit starken Anwendungsbeschränkungen versehen wird, um die Mengen tatsächlich zu reduzieren und um auch der Vielfalt in der Landwirtschaft mehr Raum zu geben. Die Bauern werden unter sehr großem Druck stehen, sich mit alternativen Verfahren auseinanderzusetzen.

Welche Anreize kann man schaffen? Hilft eine Pestizidsteuer?

Meiner Ansicht nach sind Anwendungsbeschränkungen sinnvoller, die an die aktuelle Wiederzulassung geknüpft werden und in kurzer Zeit angepasst werden können - anders, als es bei einer Steuer der Fall wäre. Wichtig ist, Glyphosat von manchen Flächen vollständig fernzuhalten. Da gibt die EU-Entscheidung erste Aufschlüsse, indem dort erstmals der Schutz von Nahrungsketten beachtet werden soll.

Wie genau?

Es ist leider etwas untergegangen, aber im Zuge der jüngsten Abstimmung wurde erstmalig die Artenvielfalt berücksichtigt. Das ist ein Punkt, den das Umweltbundesamt schon lange gefordert hatte. Im Zuge der Neuzulassung erhält der Biodiversitäts- und Umweltschutz großes Gewicht, diese Seite ist jetzt sehr gestärkt. Und das wird zu entsprechenden Maßnahmen führen.

Die EU verlangt bereits Vorrangflächen, also naturbelassene Grünstreifen.

Im Kern lautet der Befund, dass bisher zu wenige ökologische Vorrangflächen geschaffen wurden.

Welchen Anteil müsste man erreichen?

Das lässt sich nicht beantworten. Die oft genannten fünf bis zehn Prozent ergeben sich aus dem Streben der Artenschützer, möglichst viel Raum für die Biodiversität zu erhalten und dem Wunsch der Landwirte, möglichst wenig Fläche zu opfern. Es ist aber nicht nur eine Frage der Größe, sondern auch der Qualität und des Vernetzungsgrades. Die Anforderungen von Insekten sind umfangreich. Und es geht nicht nur um Insekten, sondern auch um andere Arten.

Was erwartet den Verbraucher?

Es gibt Marktanalysen, die nach einem Glyphosatverbot eine gewisse Verknappung und höhere Kosten vorhersagen. Aber ich denke nicht, dass die Verbraucher jetzt etwas spüren werden. Die Kosten für die Landwirte werden sich dagegen erhöhen, das wird sicher an ihnen hängen bleiben.

Und wenn man die Preise für Lebensmittel erhöht?

Diese Möglichkeit besteht grundsätzlich. Im Bereich des Ökolandbaus und seiner Produkte, wo die Kennzeichnung einen weitgehenden Verzicht auf Pflanzenschutzmittel erkennbar macht, sind viele Verbraucher dazu bereit. Eine Reduktion von oder ein Verzicht auf Glyphosat allein rechtfertigt aber keinen höheren Preis. Nicht, wenn der Landwirt ansonsten konventionelle Landwirtschaft betreibt. So sind die Märkte einfach nicht gestrickt.

© SZ vom 05.12.2017

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