Globaler Wandel Satellitenbilder zeigen, wie rasant große Seen austrocknen

Erstmals haben Forscher präzise bestimmt, wo die globalen Wasserressourcen schrumpfen oder sogar wachsen. Die Entwicklung an den Küsten ist paradox.

Von Christoph Behrens

Die Erde hat in den vergangenen 30 Jahren rund 173 000 Quadratkilometer Landfläche hinzugewonnen, auf Flächen, die vorher mit Wasser bedeckt waren. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des niederländischen Deltares-Instituts. Sie haben Satellitenbilder zwischen 1985 und 2015 ausgewertet, um die globalen Veränderungen zwischen Land und Wasser präzise zu messen. Das dabei entwickelte Programm "Deltares Aqua Monitor" steht im Internet frei zur Verfügung.

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Der Wandel ist teilweise dramatisch. So zeigen die Bilder, dass der Aralsee - einst der viertgrößte See der Welt - mittlerweile fast völlig ausgetrocknet ist. Schon in den 1960ern begannen sowjetische Ingenieure dort, Wasser für den Weizen- und Baumwollanbau abzuzweigen. In den letzten Jahrzehnten hat der See etwa 28 000 Quadratkilometer Wasserfläche verloren - eine Fläche so groß wie Brandenburg.

Dramatisch ist die Situation am Aralsee: Die grüne Markierung zeigt an, dass der einst viertgrößte See der Erde seit 1985 rund 28 000 Quadratkilometer Fläche verloren hat.

(Foto: Deltares Aqua Monitor)

In kleinerem Maße sei auch der Lake Mead nahe Las Vegas ausgetrocknet, schreiben die holländischen Forscher im Fachmagazin Nature Climate Change. Das größte Trinkwasser-Reservoir der Vereinigten Staaten hat in den vergangenen 30 Jahren 220 Quadratkilometer Oberfläche eingebüßt, das entspricht etwa dem Stadtgebiet Düsseldorfs.

Seit 1900 ist der Meeresspiegel um etwa 20 Zentimeter gestiegen

Überraschend ist für die Geoforscher die Entwicklung an den Küsten. Trotz des langsam steigenden Meeresspiegels - seit 1900 um etwa 20 Zentimeter - wird scheinbar mehr Land neu geschaffen als Küste abgetragen. Ein Extrembeispiel dafür sind die künstlichen Inseln vor Dubai, die als Luxus-Wohnfläche für Superreiche angelegt wurden. An der Pazifikküste Chinas dehnen sich Megastädte wie Shanghai immer weiter aus, etwa durch Aufschüttungen von Sand. Auch Singapur hat Siedlungsgebiet systematisch erweitert, wie die Satellitenaufnahmen zeigen.

Refugien für Superreiche: künstliche Inseln vor Dubai

(Foto: Deltares Aqua Monitor)

Zugleich ist den Forschern zufolge seit 1985 eine Landfläche von 115 000 Quadratkilometern überschwemmt worden. Die größten Zuwächse an Wasserfläche gibt es den Deltares-Forschern zufolge am Amazonas und auf der Hochebene von Tibet. Im Himalaya lassen schmelzende Gletscher große neue Süßwasserseen entstehen.

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