Christen und die Prügelstrafe Jesus und die Drohungen mit der Hölle

sueddeutsche.de: Das Bild von der Hölle geht allerdings vor allem auf Jesus zurück. Er hat in den Evangelien wiederholt denen mit der Hölle gedroht, die ihm nicht folgen wollen.

Kinder zu schlagen ist in Deutschland verboten. Wenn jemand seinen Nachwuchs züchtigt, begeht er eine Straftat. Trotzdem kursieren in Deutschland Ratgeber von evangelikalen amerikanischen Christen, in denen das Züchtigen mit Hinweisen auf die Bibel gerechtfertigt wird.

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Werth: Die Hölle kommt bei Jesus selten vor. Man muss das richtig verstehen. Die Hölle ist die Trennung von Gott. Der Gott der Bibel ist der liebende Gott, der alles versucht, um seine Menschen zurückzulocken. Auch mit Drohungen, klar - aber nicht um sie zu knechten, sondern um sie frei zu machen von anderen Mächten, die sie versklaven. Gott will alle Menschen in seinem Himmel haben.

sueddeutsche.de: Jesus hat die Hölle wiederholt erwähnt und er hat sie mit recht drastischen Worten beschrieben. Ein Feuerofen, wo Heulen und Zähneklappern sein wird ... Manche Eltern, die wollen, dass ihre Kinder in den Himmel kommen, drohen ihnen wie Jesus mit der Hölle.

Wert: Wer aufgrund solcher Drohungen am Glauben festhält, hat eine etwas verquere Art von Glauben. Glauben heißt doch: Ich weiß, ich bin geliebt und gehalten. Wir als Evangelikale predigen, dass Christus für unsere Schuld gestorben ist. "Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten!" heißt es schon im Alten Testament. Man kommt in den Himmel, wenn man sich das gefallen lässt.

sueddeutsche.de: Sie sagen, nicht alles, was im Alten Testament steht, taugt für unsere Gesellschaft. Aber Abraham zum Beispiel hat mit seinem absoluten Willen, sich Gott zu unterwerfen, für Gläubige heute noch Vorbildcharakter. Warum soll man einerseits Abraham als Vorbild ernst nehmen - andererseits aber die Empfehlungen, den Nachwuchs mit der Rute zu züchtigen, nicht? Abraham war immerhin bereit, das eigene Kind zu töten.

Werth: Abraham hatte den Eindruck, Gott nimmt das, was er mir geschenkt hat, wieder weg. Und das ist sein gutes Recht, denn er ist Gott. Kann man das auf das Prügeln übertragen? Wenn irgendwas von mir verlangt wird, was den Anweisungen des Neuen Testaments widerspricht, dann kann das nicht von Gott sein. Luther hat eine herrliche Auslegungsmethode für die Bibel empfohlen. Es komme darauf an, "was Christum treibet". Die Bibel muss immer im Sinne Jesu ausgelegt werden.