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Gift im Spielzeug:Gefährliche Billigware

Im Advent ziehen die Geschäfte in den Städten an. Oft werden Geschenke für Kinder gekauft. Verbraucher können sich dabei kaum vor giftigem Spielzeug schützen - das macht wütend.

Daniela Kuhr

Wer am zweiten Advent-Samstag das Gedränge in den Kaufhäusern erlebt hat, weiß: Trotz Krise tragen die Menschen unzählige Tüten mit bunt verpackten Weihnachtsgeschenken nach Hause. Vor allem Spielzeug wird gekauft - von Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels, die Kindern eine Freude machen wollen.

In Plastikprodukten für Kinder sind zu viele Weichmacher.

(Foto: Foto: ddp)

Doch was sich nach Idylle anhört, ist leider trügerisch. Die bunten Figuren, Puppen oder Fahrräder sind nicht so harmlos, wie sie aussehen. Zum Teil sind sie sogar richtig gefährlich. Erst haben die Tester der Zeitschrift Ökotest die vielen Schadstoffe in Kinderspielzeug kritisiert, und jetzt warnen Wissenschaftler vor krebserzeugenden Chemikalien. Sie sehen sogar einen Zusammenhang zwischen dem Spielverhalten und der steigenden Zahl an Krebserkrankungen bei Kindern. Solche Meldungen machen Angst - und wütend. Denn man fühlt sich völlig hilflos. Wie sollen Eltern ihre Kinder schützen?

Die Tipps, die jetzt kursieren, sind allesamt unbefriedigend. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner beispielsweise empfiehlt, beim Spielzeugkauf auf das "GS"-Kennzeichen zu achten, weil es für Qualität und Sicherheit stehe. Doch wer denkt schon immer in der Hektik daran?

Einige Verbraucherschützer raten, kein Billig-Spielzeug mehr zu kaufen. Was aber bleibt Eltern übrig, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen? Auch wenn er nicht offen geäußert wird, so schimmert bei solchen Ratschlägen ein Vorwurf durch: dass Verbraucher zum Teil selbst schuld sind. Sie informieren sich zu wenig, sind ganz auf schnell, schnell und billig, billig fixiert.

Strikte Standards sind nötig

Doch dieser Vorwurf ist ungerecht. Zum einen ist es verständlich, wenn jemand nicht mehr Geld als nötig ausgeben will. Zum anderen haben Kunden meist gar nicht die Möglichkeit, herauszufinden, ob ein Produkt sicher ist. Viele giftige Chemikalien sind weder zu sehen noch zu riechen.

Es ist zu einem Trend geworden, den Verbraucher mehr in die Pflicht zu nehmen. Sein Wunsch nach Billigware ist schuld daran, dass Arbeiter ausgebeutet werden, Tiere gequält und eben Produkte nicht mehr sicher sind. Doch wie soll er reagieren? Nur noch teure Dinge kaufen? Niemand garantiert, dass die besser sind. Sich genauer informieren über Herstellungsprozesse? Wie soll das gehen, zumal dafür die Zeit fehlt? Verbraucher zu sein kann kein Vollzeitjob werden.

Die Politik steht in der Pflicht, weniger der Kunde. Sie muss strikte Standards festlegen und durch behördliche Kontrollen dafür sorgen, dass diese eingehalten werden. Es dürfen nur noch solche Produkte auf den Markt kommen, die den klar formulierten Anforderungen genügen. Für Spielzeug heißt das, dass ein Zeichen wie das GS-Zeichen zur Pflicht werden muss. Dann braucht der Kunde beim Einkauf nicht mehr explizit darauf zu achten, sondern kann sich darauf verlassen, dass nur geprüfte Ware im Laden ist. Verbraucher in Europa müssen darauf vertrauen können, dass alle Produkte sicher sind. Auch billige.

© SZ vom 08.12.2009/jab
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