Ghana:Von Afrika in den hohen Norden

Nobelpreis-Beilage

Geophagie ist eines der Fachgebiete von Marian Nkansah. Sie ging der Frage nach, welche gesundheitlichen Risiken mit dem in Ghana üblichen Essen von Erde verbunden sind.

(Foto: privat)

Von Felicitas Witte

Die Forschung war toll im norwegischen Bergen, und das kalte Wetter und das ungewohnte Essen störten sie nicht so sehr. Dennoch wollte sie heim. "Wir Ghanaer lächeln, auch wenn es uns mal schlecht geht, und wir sind sehr aufgeschlossen Fremden gegenüber. In Norwegen habe ich all das vermisst", erzählt Marian Nkansah, die diese Woche an der Lindauer Tagung teilnimmt. Für sie war nach der Highschool klar, dass sie in Ghana studiert. "Ich bin doch hier aufgewachsen - das ist meine Heimat", sagt die 29-Jährige, die heute als Wissenschaftlerin und Dozentin an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology arbeitet, wo sie auch ihren Bachelor in Chemie und Umweltchemie machte. 2009 schickte sie Bewerbungen an Professoren auf der ganzen Welt, weil sie im Ausland promovieren wollte. Schließlich bekam sie eine Zusage in Münster und eine in Bergen. Sie entschied sich für Norwegen, da die Anstellungsbedingungen dort besser waren.

Wieder zurück in Ghana, forschte sie über Schwermetalle, etwa bei der Geophagie, dem Essen von Erde - einer gängigen Praxis in Ghana: Erde wird in kleine Rollen geformt, gebacken und auf dem Markt verkauft - vor allem Schwangere und Kinder essen sie. "In den Röllchen haben wir Schwermetalle nachgewiesen - das kann den Fötus schädigen oder Lernschwierigkeiten bei Kindern verursachen." Die Schwermetallforschung ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Forschern aus Dänemark, finanziert von der dänischen Entwicklungskooperation. "Die meiste Forschung in Ghana ist von externen Geldgebern finanziert", sagt Marian. "Das setzt der Kreativität Grenzen, weil man die Fragen in den Ausschreibungen beantworten soll und nicht unbedingt seiner Intuition nachgehen kann." Es gebe aber Pläne, einen nationalen Forschungs-Fonds aufzubauen. Die junge Ghanaerin träumt indes davon, einmal für die Vereinten Nationen arbeiten zu können.

© SZ vom 29.06.2017
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