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Gesundheit:Das Mysterium Schnupfen

Aber die Ansteckung scheint gar nicht so feucht abzulaufen, wie Forscher von der Universität Wisconsin 1984 in einem Experiment herausfanden: Sie infizierten ein paar Testpersonen mit Schnupfenviren und sperrten sie, als die Ärmsten sich richtig krank fühlten, für mehrere Stunden mit Gesunden in einen ungelüfteten Raum.

Nach Herzenslust wurde geniest und geschnieft. Das frappierende Ergebnis: Keiner der Eingesperrten wurde krank.

Da ergriffen die Forscher drastischere Methoden: Die Gesunden mussten die Kranken küssen. Immerhin, sie durften sich die "ihnen genehmste Kusstechnik" aussuchen. Pflicht beim Küssen aber war: auf den Mund, und zwar mindestens eine Minute.

Am Ende staunten die Forscher nicht schlecht. Nur einer von 13Probanden bezahlte den leidenschaftlichen Versuch mit körperlichem Leid.

Dennoch wurde kurz darauf erneut klar: Menschen mit Erkältungen sind wandelnde Virenschleudern. Denn als die Probanden nach Hause entlassen waren, steckten sie in Windeseile ihre Familien an. Wer verschnieft ist, zieht bis zu drei Viertel seiner Kontaktpersonen mit ins Verderben, lautet die Regel.

Sollten somit für den Gesunden vielleicht doch Türklinken und Telefonhörer gefährlicher sein als ein feuchter Redeschwall? Schließlich fassen sich auch Erwachsene ständig an die Nase und in die Augen - mehrmals pro Stunde, wie einmal eine geheime Untersuchung an den Teilnehmern eines Medizinerkongresses ergab.

Womöglich also geben Kranke ihre Viren über verseuchte Alltagsgegenstände weiter, dachten sich die Forscher aus Wisconsin.

Ein legendäres Poker-Experiment sollte eine Antwort darauf geben: Dabei mussten Gesunde mit niesenden Maladen stundenlang Karten spielen - wobei jeder zweite Gesunde eine ein Meter breite Halskrause aus Plastik trug.

Die sollte verhindern, dass die Testpersonen ihre Augen, Nasen oder Münder berührten, weil ihre Hände über die Spielkarten wahrscheinlich mit Viren kontaminiert waren. Die übrigen Gesunden dagegen durften an sich herumfingern, wie sie das immer taten.

Wie wandern Viren?

Und tatsächlich: Jeder zweite von ihnen bekam einen Schnupfen. Allerdings traf es auch jeden Zweiten mit Halskrause. Das stoische Aussitzen juckender Augen und kitzelnder Nasen - es hatte sich nicht gelohnt.

Wie also wandern die Viren vom einen zum andern? Und wen trifft die Erkältung? Eine definitive Antwort gibt es nicht. Menschen bieten offenbar nicht nur durch ungewaschene Hände und gemeinsam verwendete Handtücher eine große Angriffsfläche.

Auch gute Erziehung könnte das Problem vergrößern: Wer sich beim Niesen die Hand vor Mund und Nase hält, ist wahrscheinlich unsozialer als der ungehemmte Sprüher.

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