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Psychologie:Zu wenig Männer

Sonnenuntergang in Warnemünde

Das Geschlechterverhältnis in Regionen könnte Auswirkungen auf die Zufriedenheit haben.

(Foto: Arno Burgi/picture-alliance/ dpa)

Wie sich das zahlenmäßige Geschlechterverhältnis in Regionen auf das Wohlbefinden auswirken könnte.

Von Sebastian Herrmann

Die Menschen des jeweils anderen Geschlechts rauben einem doch recht oft größere Mengen an Energie. Aber es ist halt eine Zwickmühle: Ohne sie geht es nicht, mit ihnen auch nicht - egal, ob hinter dem "sie" und "ihnen" nun Männer oder Frauen stecken. In der gelegentlichen Enge einer Partnerschaft gilt das sowieso, da ist das sonnenklar. Doch Wissenschaftler bemühen sich, etwaige Auswirkungen der Geschlechterbeziehungen auch auf Bevölkerungsebene zu analysieren. Die Frage lautet: Wie wirkt es sich auf das subjektive Wohlbefinden aus, wenn in einer Region oder einem Land Männer- oder Frauenüberschuss herrscht?

In fast allen Regionen Europas leben etwas mehr Frauen als Männer

Gerade hat der Psychologe Thomas Richardson von der University of Manchester eine Arbeit auf den Pre-Print-Server PsyArXiv hochgeladen, in der er sich die Frage anhand von Daten aus 133 Regionen in Europa vornimmt. Demnach geben Frauen in Gegenden, in denen weniger Männer als Frauen leben, ein im Vergleich etwas geringeres subjektives Wohlbefinden an. Der gemessene Effekt sei zwar gering, aber vergleichbar mit jener positiven Auswirkung auf das Wohlbefinden, die zum Beispiel Verheiratete im Vergleich zu Ledigen angeben. Das subjektive Wohlbefinden von Männern zeigte laut Richardson hingegen keine Korrelation zum Zahlenverhältnis der Geschlechter in einer Region.

Für die Auswertung analysierte der Psychologe Daten, die in den Jahren 2012 und 2014 im Rahmen des European Social Survey erhoben worden waren. Die ausgewertete Stichprobe umfasste Antworten von 29 681 Teilnehmern, 15 381 Frauen und 14 300 Männern. Fast alle von Richardson untersuchten Regionen verzeichneten einen Frauenüberschuss, allerdings nur geringfügig - im Schnitt waren es 0,71 Prozentpunkte weniger Männer in den Regionen. Eine ganz andere Hausnummer sind da zum Beispiel einige Gegenden in China. In diesen herrscht mit einem Verhältnis von 55:45 ein enormer Männerüberschuss, so der Psychologe.

Neben den geschlechterspezifischen Korrelationen beobachtete Richardson einen weiteren Zusammenhang: Die Bevölkerungsdichte korrelierte mit dem subjektiven Wohlbefinden. Wo mehr Menschen auf engem Raum leben, waren die Leute im Schnitt etwas weniger zufrieden.

Dass sich ein Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und dem Geschlechterverhältnis zeigte, erklärt Richardson damit, dass sich damit quasi die Positionen auf dem Partnermarkt verschieben. Stark vereinfacht: Wo mehr Frauen als Männer leben, könnte die Konkurrenz unter Frauen um Partner schärfer ausgetragen werden, und das schlägt dann auf die Laune. Richardson betont aber, dass es sich nur um Korrelationen handele, also noch kein Kausalzusammenhang belegt ist. Zudem hätten bisherige Studien zu den Auswirkungen der zahlenmäßigen Geschlechterverhältnisse bisher eher widersprüchliche Ergebnisse produziert.

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