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Geschichte - Schwerin:Institut: Meinung über Dörfer besser als deren Ruf

Deutschland
Die St.-Georgen-Kirche in der Warener Altstadt. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Schwerin (dpa/mv) - Viele Dorfbewohner in Mecklenburg-Vorpommern haben dem Forschungsprojekt "Landinventur" zufolge eine bessere Meinung von ihrem Ort als außerhalb angenommen. Das Engagement sei groß, sagte der Soziologe Andreas Willisch vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung in Bollewick (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) am Freitag in Schwerin bei einem Treffen mit Staatskanzlei-Chef Heiko Geue (SPD). Mehr als ein Viertel der Menschen engagierten sich für ihren Ort, zusätzlich zu Vereinen und Feuerwehr. Sie organisierten zum Beispiel Skat-, Englisch- oder Bibliotheksgruppen. Das sei es, was die Wärme in einem Dorf ausmache.

Die "Landinventur" hat nach Willischs Worten in den vergangenen zweieinhalb Jahren Detail-Daten von rund 100 der etwa 6000 Dörfer und Siedlungen in MV erfasst. Im Internet und bei Veranstaltungen vor Ort wird eine Fülle von Themen abgefragt, von der Netz- und Verkehrsanbindung bis zur Gartennutzung und zum Leerstand von Häusern. So komme ein viel differenzierteres Bild zustande als es die amtlichen Statistiken lieferten, sagte Willisch. Zum Beispiel zeige sich, dass vielen Dorfbewohnern ihr Wirtschaftsgarten wichtig sei, dass Haustiere gehalten werden und auch mit Traktoren etwas Land bestellt werde, selbst wenn in manchem Dorf niemand mehr hauptberuflich in der Landwirtschaft arbeite. In der Nähe von Schwerin wiederum dominierten Ziergärten. Mancherorts gebe es einen hohen Anteil von Menschen, die nur am Wochenende im Dorf lebten.

Viele Dorfbewohner seien es leid, dass über den ländlichen Raum oft in einer Weise gesprochen werde, die wenig Hoffnung für eine künftige positive Entwicklung mache, sagte Willisch. Das Dorf habe aber durchaus eine gute Zukunft. Das solle nicht schlechtgeredet werden. Interessant sei, dass die Menschen ihren Wirkungskreis oft in ihrem Ort oder ihrer Siedlung sähen und seltener in der großen Gemeinde oder im Amt. "Das ist eine wichtige Information."

Das Projekt "Landinventur" war 2017 mit Förderung des Bundesforschungsministeriums als Bürgerwissenschaftsprojekt gestartet worden. Die Mitarbeiter vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung fahren mit einem umgebauten Wohnmobil in die Dörfer, von denen sie eingeladen werden, erfragen Daten und kommen oft auch mit den Bewohnern zu Zukunftsplänen und Projekten ins Gespräch, wie Willisch berichtete. "Das ist ein Kollateralnutzen." Demnächst sei man in Rothen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und im Lassaner Winkel (Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Geue will die "Landinventur", deren Förderung durch das Bundesforschungsministerium im Februar endet, weiter einbinden. In Kürze soll ein großes Bürgerbeteiligungsprojekt der Landesregierung mit Blick auf das Jahr 2030 starten, kündigte er an. Man wolle mit der Bevölkerung über die Ausgestaltung des neuen Jahrzehnts ins Gespräch kommen, statt eine Strategie von der Landesregierung aus zu schreiben.