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Geschichte - Greifswald:Greifswald erinnert an Deportation pommerscher Juden

Greifswald (dpa/mv) - Vor 80 Jahren begann in der Nacht vom 12. zum 13. Februar 1940 die Deportation von Juden aus Pommern in das sogenannte Generalgouvernement im damals besetzten Polen. In Greifswald erinnert die Pommersche Evangelische Kirche am Donnerstag an den Auftakt der Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten, wie deren Arbeitskreis Kirche und Judentum mitteilte. Geplant sind eine Andacht in der Marienkirche und ein Gedenkweg zu Stolpersteinen, die zur Erinnerung an jüdische Bürger in der Stadt verlegt wurden. Bereits am Vorabend wird gemeinsam mit der Stadt Greifswald und dem Literaturzentrum Koeppenhaus der Film "Frau Stern" von Anatol Schuster über eine 90-jährige Holocaust-Überlebende aus Berlin gezeigt.

Im Februar 1940 mussten Juden aus Stettin, Stralsund, Greifswald, Anklam, Ueckermünde und von der Insel Rügen binnen weniger Stunden ihre Wohnungen verlassen und diese für umgesiedelte Deutsche aus Wolhynien und dem Baltikum freimachen. Die Deportation aus Pommern gilt nach Angaben der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas als Auftakt für die systematische Verschleppung und Ermordung der deutschen Juden. "Sie erfährt noch immer keine angemessene Würdigung in unserem kulturellen Gedächtnis, weil Stettin seit 1945 nicht mehr zu Deutschland gehört", sagte Stiftungsdirektor Uwe Neumärker. Der damalige NSDAP-Gauleiter Franz Schwede-Coburg (1888-1960), habe die Provinz Pommern als erste im Deutschen Reich "judenrein" machen wollen. Von den 1940 deportierten pommerschen Juden überlebten nach Angaben der Stiftung höchstens 19 den Holocaust.

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