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Geschichte der USA:Die Königin befahl Sir Walter Raleigh, die Kolonie zu gründen

Im Auftrag der englischen Königin Elisabeth I. hätte North Carolina von englischen Bürgern besiedelt werden sollen. Die Queen betraute Sir Walter Raleigh mit der Mission, die Mitglieder von drei Expeditionen sondierten von 1584 an die Lage und bauten auf Roanoke eine erste Station auf. Bereits bei der zweiten Fahrt im Jahr 1585 war John White dabei, zeichnete Karten und malte Aquarelle der Ureinwohner, mit denen er die Daheimgebliebenen in England für neue Fahrten begeisterte. Im Jahr 1587 brach er schließlich in Raleighs Auftrag mit 117 Menschen Richtung Amerika auf. White wurde zum ersten "Chief Governor" in der Neuen Welt.

Die Kolonie auf Roanoke Island hatte für spätere amerikanische Generationen eine große Bedeutung: Eine Lithografie aus dem 19. Jahrhundert zeigt die Taufe der Virginia Dare, der ersten Engländerin, die in Nordamerika zur Welt kam.

(Foto: William A. Crafts / Public Domain)

Doch sein Projekt stand unter keinem guten Stern. In der Neuen Welt gab es offenbar Spannungen mit Indianern. Warum White trotz der unsicheren Lage die Auswanderergruppe verließ und nach England zurückkehrte, ist nicht bekannt. Eigentlich wollte er 1588 mit einem Versorgungsschiff zurückkehren. Doch in Europa kam ihm und der Queen die Attacke der spanischen Armada unter Philipp II. dazwischen. White konnte sich erst 1590 wieder auf die Reise nach Amerika machen. Er musste während eines gewaltigen Sturms an Land gehen; dabei verloren sieben Männer ihr Leben. Und dann kam erst der größte Schock: Die Siedlung war verlassen.

Die aktuelle Ausgrabungsstätte ist der erste konkrete Hinweis auf den Verbleib der Siedler. Der Fundort liegt auf dem Festland, knapp 100 Kilometer von der Insel Roanoke entfernt einen Meeresarm hoch, der heute Albemarle Sound heißt. Und zwar an einer Stelle, die John White auf den alten Karten mit einem auf den ersten Blick nicht sichtbaren Geheimzeichen markiert hatte. Warum er das tat, ist eines der mysteriösen Details der Geschichte.

Röntgen-Untersuchungen führten zur Spur von Site X

Auf die neue Spur kamen die Archäologen, als sie vor drei Jahren Whites alte, im British Museum in London gelagerte Karten studierten. Im Röntgenlicht offenbarten sie ein Geheimnis unter einer ausgebesserten Stelle. Dort, wo die Flüsse Chowan River und Salmon Creek in den Albemarle Sound münden, hatte White mit Geheimtinte aus Milch und Urin eine Stelle mit einem sternförmigen Zeichen markiert. Ganz in der Nähe lebten einst auch Algonkin-Indianer. Laut Eric Klingelhofer sei deren Siedlung Mettaquem ein weiterer möglicher Zufluchtsort für die Siedler gewesen; schließlich hatten sie zuvor schon mancherorts gute Beziehungen zu Indianergruppen gehabt.

Die Röntgen-Untersuchungen brachten Lucckettis Team auf die Spur von Site X. Daraufhin suchten die Wissenschaftler mithilfe von hochaufgelösten Satellitenbildern nach alten, in der Erde verborgenen Siedlungsspuren - und wurden fündig. Strukturen, die sich als Hinweise auf eine größere befestigte Anlage deuten lassen, waren am Albemarle Sound zu sehen, direkt an einem natürlichen Hafen. Das war der Startschuss - wobei es ein Glücksfall ist, dass der Ort noch unberührt ist. Wie die New York Times kürzlich berichtete, war dort ein ausgedehntes Immobilienprojekt mit 2000 luxuriösen Wohnungen, Restaurants und einem Yachthafen geplant. Nur wegen der Immobilienkrise 2008 wurde zunächst nichts daraus. Luccketti begann im Jahr 2012 mit ersten Sondierungen, mittlerweile haben die Archäologen ein Areal von 15 mal fünf Metern der insgesamt etwa einen Hektar großen Fundstelle ausgegraben.

Die Forscher glauben, dass sich Ende des 16. Jahrhunderts nur ein kleiner Teil der Siedler in Site X aufgehalten haben kann. Diese Erkenntnis macht das Rätsel um das Ende der Siedler nicht eben kleiner. Vielleicht liefern weitere Grabungen die Antwort auf die Frage, wie lange die kleine Siedlergruppe hier gelebt hat; ob die Menschen nur ein paar flüchtig zusammengetragene Dinge von Roanoke mitgenommen haben oder den gesamten Hausstand. "Es gibt Forscher, die von bis zu zehn möglichen Fluchtorten für die Siedler von Roanoke ausgehen, an denen sie Hilfe von einheimischen Indianern bekamen", sagt Eric Klingelhofer. Sie stützen sich dabei unter anderem auf eine Karte von 1608, die ein spanischer Spion auf Basis einer englischen Karte gefertigt und mit zahlreichen Notizen versehen hatte. Diese Karte vermerkt Erzählungen von Indianern, die weiße Männer in Indianerdörfern im Landesinneren noch im Jahr 1610 gesehen haben wollen, also zwanzig Jahre, nachdem sie Raleigh verlassen hatten.

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