Geschichte - Berlin:"Verneigung vor der Erinnerung": Roth gedenkt der Nazi-Opfer

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Berlin
Claudia Roth (B90/Grüne) kommt zum Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma. Foto: Christoph Soeder/dpa (Foto: dpa)

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Berlin (dpa) - Kurz vor ihrer Berufung zur Kulturstaatsministerin am Mittwoch hat Claudia Roth der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas in unmittelbarer Nähe des Bundestages legte die Grünen-Politikerin Blumen nieder. "Eine Aufgabe, die ich mir gestellt habe, ist, dass wir unsere Gedenkorte schützen. Da haben wir einiges zu tun, auch deswegen bin ich hier", sagte Roth der Deutschen Presse-Agentur.

"Es ist heute ein besonderer Tag für mich. Gerade bin ich aus dem Bundestagspräsidium verabschiedet worden, nun stehen neue Herausforderungen an." Sie sprach von einem "wahren Herzensauftrag". "Ein Kreis schließt sich in meinem Leben", für sie beginne eine neue Zeit mit der Verantwortung für Kultur und Medien im Bundeskanzleramt, sagte die 66-Jährige.

"Gerade in Zeiten des Geschichtsrevisionismus, in der Zeit von Fackelaufmärschen vor Häusern, in denen Politiker*innen wohnen, in Zeiten, in denen manche Schlussstriche ziehen wollen, die es nicht geben darf, gerade in diesen Zeiten gehört für mich auch die Erinnerungskultur dazu", sagte Roth. Das Mahnmal sei für sie "einer der wichtigen Orte in unserem Land, in unserer Geschichte von einem der weltweit größten Künstler, Dani Karavan, der diesen Ort geschaffen hat, damit wir nicht vergessen, damit wir uns erinnern, erinnern in die Zukunft".

Roth sprach von einer "Verneigung vor der Erinnerung" in unmittelbarer Nachbarschaft des Bundestages und einer "Verneigung vor einem wunderbaren Künstler". "Dass der jüdische Künstler Dani Karavan diesen Ort geschaffen hat, zeigt, wie er Brücken gebaut hat des Vertrauens in unsere Demokratie, wie er aber auch deutlich gemacht hat, dass der industrielle Massenmord der Nazis Millionen Menschen jüdischen Glaubens ausgelöscht hat, und eben auch Hunderttausende Sinti und Roma."

Das Denkmal des israelischen Bildhauers Karavan (1930-2021) besteht aus einem Brunnen mit einem dreieckigen Stein, auf dem eine frische Blume liegt. Tafeln informieren über Ausgrenzung und Massenmord an der Minderheit während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Namen auf gebrochenen Steinplatten im Boden erinnern an Orte mit Vernichtungs- und Konzentrationslagern oder Sammelstätten. Das 1992 vom Bundestag beschlossene Denkmal wurde 2012 der Öffentlichkeit übergeben.

Als Kulturstaatsministerin will sie "Licht reinlassen, frischen Wind wehen lassen". Kunst und Kultur bräuchten alle Freiräume dieser Welt. "Kunstfreiheit ist der Lackmustest für eine starke Demokratie. Sie muss einem gar nicht gefallen, aber sie braucht diese Freiheit, dann kann sie Menschen die Kraft geben, an Veränderung zu glauben", sagte Roth der Wochenzeitung "Die Zeit".

Voraussetzung für eine gute Kulturpolitik sei Leidenschaft für die Demokratie. "So würde ich auch gerne definieren, was eine Kulturstaatsministerin ist: Kulturstaatsministerin der Demokratie. Denn die Demokratie steht unter Druck, weltweit melden sich ihre Feinde immer lauter zu Wort."

© dpa-infocom, dpa:211208-99-300755/3

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