Geologie Yellowstone-Supervulkan viel größer als gedacht

Geysir im Yellowstone Park - hier brodeln riesige Mengen geschmolzenen Gesteins im Untergrund

Unter dem Yellowstone-Nationalpark in den USA schwelt die riesige Magmakammer eines Supervulkans. Und die ist zweieinhalb Mal so groß wie bisher angenommen, berichten Seismologen der University of Utah.

Von Andreas Frey

Im Yellowstone-Nationalpark in den USA sieht es aus, als hätte jemand mit einer gigantischen Axt hineingeschlagen. Es blubbert, es zischt, es stinkt - und nicht weit unter den Füßen schwelt die riesige Magmakammer eines Supervulkans.

Jetzt haben Seismologen der University of Utah den Untergrund unter weiten Teilen des Bundesstaats Wyoming neu vermessen - und ziemlich gestaunt. Denn die Magmakammer ist zweieinhalb Mal so groß wie gedacht.

"Wir haben immer vermutet, dass sie größer ist - aber dass sie so groß ist, verblüfft uns", sagte Forschungsleiter Bob Smith auf der Herbstkonferenz der amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung in dieser Woche.

Demnach liegt die heiße Kaverne zwei bis 15 Kilometer unter der Erde, ist 90 Kilometer lang und 30 Kilometer breit - was in etwa der Fläche Luxemburgs entspricht. Insgesamt köcheln also gut 35.000 Kubikkilometer geschmolzenes Gestein im Untergrund Amerikas vor sich hin.

Yellowstone-Nationalpark

(Foto: AFP)

Mithilfe von seismischen Wellen, die von kleineren Erdbeben ausgesendet werden, war es Smith und seinem Team möglich, die Magmakammer neu zu vermessen. Da die Wellen durch heißes und geschmolzenes Gestein langsamer wandern als durch festes, ergab sich so ein sehr gutes Bild von dem heißen Giganten. "Meines Wissens hat man etwas so Großes noch nie vermessen", sagte Smiths Kollege Jamie Farrell laut BBC.

Mit der Erforschung der Magmakammer hoffen die Seismologen, neue Erkenntnisse über die Gefährlichkeit von Supervulkanen zu gewinnen. Diese unterscheiden sich von normalen Vulkanen dadurch, dass sie keinen Kegel bilden, sondern unter einer riesigen, eingebrochenen Caldera verborgen sind, in der häufig ein See liegt.

Viele Supervulkane wurden erst in den vergangenen Jahrzehnten entdeckt. Würde ein solcher unscheinbarer Riese heutzutage ausbrechen, hätte das dramatische Folgen für das Leben auf der Erde. "Die schiere Größe des Magma-Systems macht die Gefahr, die von Yellowstone ausgeht, aber nicht größer", sagt Smith. Letztmals brach der Supervulkan vor 640.000 Jahren aus. Einige Vulkanologen sind der Ansicht, dass eine Eruption längst überfällig ist.

Der letzte Ausbruch eines Supervulkans liegt etwa 26.500 Jahre zurück. Seinerzeit flog die riesige Magmakammer des Lake Taupo auf der Nordinsel Neuseelands in die Luft - mit gravierenden Folgen für das Klima der Erde.