Süddeutsche Zeitung

Geologie:Mosaik unter dem Meer

Über den Erdmantel, die Schicht zwischen Kruste und heißem Kern, weiß man noch vergleichsweise wenig. Jetzt haben Forscher festgestellt: Offenbar hat der Mantel eine mosaikartige chemische Struktur - die Abbildungen erinnern an moderne Kunst.

Der Erdmantel ist ein vernachlässigtes Objekt. Er liegt zwischen dem enorm heißen Erdinneren und der erkalteten Kruste, und dass da überhaupt etwas existiert, fällt den meisten Menschen erst dann auf, wenn er heißes Magma in Vulkanausbrüchen an die Erdoberfläche schickt. Dabei ist der Mantel viel komplexer, als man meinen sollte, ja geradezu ein Kunstwerk der Natur, wie eine neue Untersuchung von Geologen um Sarah Lambart von der University of Utah in Nature Geoscience zeigt. Denn während die Lava, die zuweilen an die Oberfläche quillt, überall mehr oder weniger ähnlich zusammengesetzt ist, hat der Mantel offenbar eine hochkomplexe Mosaikstruktur. Um sie zu erkunden, bohrten die Wissenschaftler den Meeresboden an, dort, wo emporkommende Lava kontinuierlich neue Ozeankruste erzeugt. In den Proben untersuchten sie bestimmte magmatische Gesteine, so genannte Kumulate, die noch eine chemische Signatur des ursprünglichen Mantels in sich tragen. Demnach ist der Mantel keineswegs homogen, sondern besteht auf einer Zentimeterskala aus einem feinkörnigen Nebeneinander verschiedener Materialien; die Abbildung zeigt einen vergrößerten Ausschnitt der chemischen Struktur. Lambart vergleicht das Ganze mit einem Jackson-Pollock-Gemälde - Kunstbanausen auch als "Jack the Dripper" bekannt: Eine Menge verschiedener Farben, beziehungsweise Komponenten, die sich kaum vermischen.

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Quelle:
SZ vom 21.05.2019
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