Geologie Leben auf der Erde begann wohl viel früher als gedacht

Vor vier Jahren untersuchte das australische Team Gestein auf Grönland - sie haben darin womöglich die Spuren uralten Lebens entdeckt.

(Foto: AP)
  • Australische Forscher haben herausgefunden, dass wohl schon vor 3,7 Milliarden Jahren einzellige Mikroorganismen auf der Erde lebten.
  • Alle bisher bekannten fossilen Überreste von Leben auf der Erde sind jüngeren Datums.
Von Christoph Behrens

Auf Steinen in Südwest-Grönland haben Forscher die bislang ältesten Überreste von mutmaßlichen Lebensformen entdeckt. Wie ein australisches Team im Fachmagazin Nature berichtet, lassen die Proben darauf schließen, dass bereits vor 3,7 Milliarden Jahren einzellige Mikroorganismen auf der Erde lebten. Die Funde sind 220 Millionen Jahre älter als alle bekannten fossilen Überreste von Lebensformen.

Spuren von 3700 Millionen Jahre altem Leben?

(Foto: Nutman et al / Nature)

Während dieses Erdzeitalters vor etwa vier Milliarden Jahren, Eoarchaikum genannt, war der noch junge Planet kaum lebensfreundlich: Glühende Lavaströme durchzogen die brüchige Erdkruste, schwere Asteroiden bombardierten häufig die Erdoberfläche. Die eoarchaische Atmosphäre war völlig anders als die heutige und enthielt so gut wie keinen Sauerstoff, sondern wahrscheinlich vor allem Kohlendioxid und Methan.

Trotz dieser unwirtlichen Bedingungen scheint es bereits biologische Aktivität gegeben zu haben. Auf 3,7 Milliarden Jahre alten Felsen, die kürzlich durch ein Abschmelzen der Schneeschicht auf Grönland freigelegt wurden, fanden die Geologen ein bis vier Zentimeter hohe Stromatolithen, abgelagerte Strukturen von Mikroben-Gemeinschaften. Die Zusammensetzung von Kohlenstoff- und Sauerstoff-Isotopen lasse auf einen komplexen Stoffwechsel der Organismen schließen, berichten die Geologen um Allen Nutman von der Wollongong Universität in Nature. Das Team vermutet, dass sich die Bakterien einst an der Uferkante eines frühen, seichten Ozeans angesiedelt haben und Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und verarbeiten konnten.

Die Muster auf den Steinen ähneln jedoch Stromatolithen aus Australien

Die Beweisführung ist bei derart alten Proben allerdings äußerst schwierig, räumen die Forscher ein. Die Felsen der Isua-Formation auf Grönland zählen zu den frühesten bekannten Gesteinen überhaupt - über die Jahrmillionen haben Hitze und darüberliegende Erdschichten sie massiv verformt und chemisch verändert. Wie die Bakterien überlebten, sich vermehrten oder wie sie aussahen, lässt sich kaum noch rekonstruieren, da keinerlei Material der Zellen übrig geblieben ist. Die Muster auf den Steinen ähneln jedoch Stromatolithen aus Australien. Diese sind etwa 3480 Millionen Jahre alt und galten bislang als ältestes Zeugnis von Leben.

Dass Lebensformen noch früher, in einer noch feindlicheren Umgebung entstehen konnten, könnte auch für die Suche nach Leben im Weltall bedeutsam sein. So wird vermutet, dass es beispielsweise auf dem Mars vor 3700 Millionen Jahren nicht viel anders ausgesehen hat als zeitgleich auf der Erde.

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