Geologie Ein Vulkan erwacht

(Foto: imago stock&people)

Unter den Phlegräischen Feldern bei Neapel schlummert ein riesiger Vulkan, der immer wieder die Erde beben lässt. Steht ein neuer Ausbruch bevor?

Von Marlene Weiß

Im Vergleich zum majestätischen Vesuv in der Nähe sind die Phlegräischen Felder fast unspektakulär; wie der Name vermuten lässt, ist die Landschaft mit ihren Kratern und Geysiren westlich von Neapel eher flach als hoch. Aber darunter schlummert ein riesiger Vulkan, dessen Ausbruch weit mehr als eine Million Menschen im Großraum Neapel bedrohen würde. Seit 1950 hat er sich immer wieder ein paar Jahre lang geregt, zuletzt Anfang der Achtzigerjahre. Es gab lokale Erdbeben, und der Boden hob sich insgesamt um einige Meter. Zu einem Ausbruch kam es nicht, aber womöglich war dieses Gerumpel bereits Vorbote einer kommenden Katastrophe: Die Erschütterungen könnten in der Kruste des Vulkans Spannung aufgebaut haben, so dass sie künftig leichter nachgibt, wenn Magma aus der Tiefe nach oben drückt. Das berichten Forscher um Christopher Kilburn vom University College London im Fachblatt Nature Communications. Dafür sprächen auch historische Aufzeichnungen: Die letzte ähnlich ruhelose Phase der Phlegräischen Felder sei im 15. und 16. Jahrhundert gewesen - bevor der Vulkan im Jahr 1538 das bislang einzige Mal in der jüngeren Geschichte ausbrach und dabei den 133 Meter hohen Monte Nuovo auftürmte. Die Wissenschaftler warnen auch vor weiteren, stärkeren Beben, wenn der Vulkan sich wieder meldet. "Wir müssen auf einen neuen Notfall vorbereitet sein, ob er zu einem Ausbruch führt oder nicht", sagte Co-Autor Giuseppe de Natale vom italienischen Vesuv-Observatorium.