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Gentechnik:Keine Angst vor der Chimäre

Für therapeutische Zwecke ließen sich die Hybride aus menschlicher DNS und Rinder-Eizellen nicht nutzen, obwohl die Mischembryonen nach Angaben der Forscher zu 99,9 Prozent menschlich wären. Doch mit ihrer Hilfe ließen sich wichtige Fragen der Grundlagenforschung klären, sagt Stammzellforscher Anthony Ho von der Universitätsklinik Heidelberg.

Auch Klonforscher Miodrag Stojkovic vom Prinz-Felipe-Forschungszentrum im spanischen Valencia befürwortet die Experimente. Er hat bereits ähnliche Versuche durchgeführt. "Besonders interessant wäre es, menschliche Zellen zu verwenden, die einen genetischen Defekt tragen. Die damit hergestellten Stammzellen könnten dann bei der Erforschung von Krankheitsmechanismen helfen." Am besten wäre es, wenn man für solche Untersuchungen menschliche Eizellen nehmen würde, sagt Stojkovic, doch davon gebe es bekanntlich nicht genug.

Andere renommierte Forscher sehen keinen Nutzen in diesen Experimenten. Eckhard Wolf, Klonforscher an der Universität München, hält den britischen Ansatz für "nicht zeitgemäß". Um den Verbrauch menschlicher Eizellen zu umgehen, gebe es bessere Wege. Vor einem Jahr gelang es etwa Forschern erstmals, Körperzellen von Mäusen biochemisch so umzuprogrammieren, dass sich daraus Stammzellen gewinnen ließen.

Bemerkenswert findet Anthony Ho den britischen Weg zur Lösung der Kontroverse. "Sie haben keine Gesetze, die alles Mögliche grundsätzlich verbieten, sondern entscheiden jedes Mal neu von Fall zu Fall und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit."

© SZ vom 6.9.2007
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