Gentechnik Gefällige Fakten gesucht und gefunden

Das Umweltministerium bezahlt eine Ökolobby-Organisation, um über gentechnische Verfahren zu informieren.

(Foto: dpa)

Ja, die Öffentlichkeit sollte unbedingt über die Chancen und Risiken neuer gentechnischer Verfahren aufgeklärt werden. Aber nicht durch staatlich bezahlte Öko-Lobbyisten.

Kommentar von Kathrin Zinkant

Was nicht passt, wird passend gemacht. Es gibt Probleme im Leben, die sich auf diese Weise lösen lassen. Doch wenn sich die Politik eine zu ihren Zielen passende Faktenlage verschafft, geht in einer freiheitlichen, aufgeklärten Demokratie etwas gründlich schief.

Das Bundesamt für Naturschutz und seine übergeordnete Behörde, das Bundesministerium für Umwelt, haben eine einschlägig bekannte Lobbyorganisation gegen eine stattliche Summe von 200 000 Euro damit beauftragt, Chancen und Risiken der neuen Gentechnik wie der Genschere Crispr/Cas für die Öffentlichkeit einzuordnen. Und klar, Einordnungen werden immer wichtiger in einer zunehmend komplexen Welt voller undurchschaubarer Technologien. Gerade vor der Gentechnik fürchten sich viele Menschen, die neuesten Methoden stoßen auf ähnlich viel Skepsis wie die länger bekannten Verfahren. Aufklärung, Information und Dialog sind essenziell, um eine Diskussionsgrundlage zu schaffen.

Die beauftragte Organisation bezieht seit vielen Jahren klar Position gegen die Gentechnik

Völlig falsch aber ist es, mit dieser Aufgabe eine Organisation zu betrauen, die nicht mehr ergebnisoffen arbeiten kann, weil sie seit Jahren Interessen verfolgt - weil sie Teil eines eindeutig aufgestellten Netzwerks von Gentechnikgegnern ist. Bei besagter Organisation, Testbiotech, handelt es sich um einen Verein, dessen Haltung zur Gentechnik lange bekannt ist und der sich mehr als deutlich gegen jede Form von Gentechnik in der Pflanzenzüchtung ausspricht. Über die Art und Weise, wie diese Kampagnenarbeit erfolgt, mag man geteilter Meinung sein, und es ist natürlich das gute Recht einer Nichtregierungsorganisation, auf eigene Standpunkte und Meinungen zu beharren. NGOs müssen auch keine Rechenschaft über ihre ideologischen Abhängigkeiten ablegen, schließlich finanzieren sie sich nicht aus öffentlichen Mitteln.

Aber selbst wenn es solchen Initiativen um scheinbar selbstlose Ziele geht, um Umweltschutz, um das Vorsorgeprinzip, um die Natur, sind sie nicht unabhängig. Sie forschen nicht, um ihre Thesen eigenständig zu belegen und das zu leisten, was unabhängige Wissenschaftler an ihrer Stelle leisten könnten: vorbehaltlos zu sagen, wie die Dinge liegen. Im politischen Raum richtet es deshalb irreparablen Schaden an, wenn eine wichtige Debatte von einem Lobbyverein geprägt werden soll, und das auch noch auf Wunsch der Regierung und mit Geld aus der Staatskasse. Es ist mit umgekehrtem Vorzeichen das Gleiche, als würde man einem aktiv forschenden Gentechnikkonzern wie DowDupont die Bewertung der neuen Gentechniken und die Aufklärung der Öffentlichkeit überlassen - und dafür Geld aus dem Bundeshaushalt bereitstellen. Beides darf nicht sein. Und das sollte auch eine Regierung wissen.

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