Gentechnik Bund finanziert Ökolobby

Gentechnisch verändert? Das ist nicht leicht zu erkennen. In der Ausstellung "Biofakt" setzten sich Studenten der TU München mit veränderten Lebensmitteln auseinander.

(Foto: Catherina Hess)
  • Das Bundesumweltministerium unterstützt eine Ökolobby-Organisation mit öffentlichen Mitteln in der Meinungsbildung. Das zeigt eine kleine Anfrage der FDP im Bundestag.
  • Der Verein erhält bis 2020 mehr als 200 000 Euro aus dem Bundeshaushalt.
  • Das Ziel soll sein, die Relevanz neuer Gentechniken für den Natur- und Umweltschutz "wissenschaftlich auszuwerten" und der Öffentlichkeit zu vermitteln.
Von Kathrin Zinkant

Das Bundesumweltministerium unterstützt die bekannte Ökolobby-Organisation Testbiotech mit öffentlichen Mitteln in der Meinungsbildung. Der Verein des ehemaligen Greenpeace-Aktivisten Christoph Then erhält bis 2020 mehr als 200 000 Euro aus dem Bundeshaushalt, um als Projektleitung einer neuen Fachstelle für Gentechnik und Umwelt Einfluss auf den öffentlichen Dialog zu neuen Gentechniken wie der Genschere Crispr-Cas zu nehmen. Im Beirat der Fachstelle sitzen außer Testbiotech ausschließlich gentechnikkritische NGOs und Umweltverbände, es ist kein einziger Wissenschaftler vertreten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor.

Die Fraktion hatte um Erläuterungen zur Finanzierung der Fachstelle gebeten und außerdem Fragen zur vorgeblichen Unabhängigkeit von Thens Verein gestellt. Laut Antwort der Bundesregierung war die Projektfinanzierung auf einen direkten Antrag Thens vom Bundesamt für Naturschutz bewilligt worden, eine Ausschreibung gab es nicht. Das Geld stammt aus den Mitteln des Umweltministeriums. Ziel des Vorhabens sei, die Relevanz neuer Gentechniken für den Natur- und Umweltschutz "wissenschaftlich auszuwerten" und der Öffentlichkeit zu vermitteln. Auf die Frage, ob die Mitglieder des Beirates der Fachstelle keine Eigeninteressen verfolgten, antwortete die Regierung ausweichend. "Mit der Fachstelle für Gentechnik und Umwelt wird tatsächlich und offiziell Forschungspolitik durch Meinungspolitik ersetzt", kommentierte Carina Konrad (FDP), Landwirtin und Mitglied des Agrarausschusses im Bundestag.

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Der Vorgang ist auch deshalb brisant, weil der Bund solche Zuwendungen laut Bundeshaushaltsordnung nur dann bewilligen darf, wenn er "an der Erfüllung durch solche Stellen ein erhebliches Interesse hat, das ohne die Zuwendungen nicht oder nicht im notwendigen Umfang befriedigt werden kann". Expertisen zu neuen Gentechniken liegen jedoch aus seriösen Quellen und in größerem Umfang vor. Testbiotech genießt unter Gentechnikexperten zudem nicht den Ruf einer unabhängigen Instanz. Vielmehr gilt der Verein als Teil der Ökolobby, die jede Form von Gentechnik ablehnt und allen, auch den neuen gentechnischen Verfahren bislang unbekannte, unabschätzbare Risiken unterstellt.

Fachleute jedoch sind sich darin einig, dass insbesondere der Anwendung der Genschere Crispr-Cas in der Pflanzenzüchtung keine speziellen Risiken für Gesundheit und Umwelt innewohnen. In der Regel werden keine fremden Gene ins Erbgut der Pflanzen eingefügt. Stattdessen erzeugt die Genschere Veränderungen, wie sie auch zufällig in der Natur entstehen. Im öffentlichen Diskurs wird dieser Sachverhalt von Testbiotech bestritten. So verweist Then auf unerwünschte Effekte der Genschere, zum Beispiel unvorhergesehene Schnitte in den Erbanlagen der Pflanze.

Tatsächlich haben jüngere Studien zwar gezeigt, dass Crispr-Cas nicht ganz so präzise ist wie vermutet. Wissenschaftler warnen deshalb vor einem übereilten Einsatz der Technologie in der Medizin, wo Fehlschnitte tatsächlich ein Risiko darstellen. In der Pflanzenzüchtung dagegen spielen derartige Nebeneffekte eine untergeordnete Rolle, weil sie in viel stärkerem Ausmaß auch durch andere, unregulierte Methoden wie der Mutagenes durch radioaktive Strahlung verursacht werden. Diese konventionellen Techniken gelten als sicher. Das hatte zuletzt auch der Europäische Gerichtshof in einem Urteil bestätigt.

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