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Gentechnik:Wissenschaftler protestieren gegen Kretschmann

Weizen

Gene Editing soll Nutzpflanzen wie Weizen robuster machen.

(Foto: A3512 Roland Weihrauch/dpa)

Die Landesregierung in Baden-Württemberg hat ein Forschungsprojekt zum Genome Editing gestoppt. Mehr als 100 Experten wehren sich.

Von Kathrin Zinkant

Die innerparteilichen Auseinandersetzungen der Grünen über ihre Haltung zu gentechnischen Methoden in der Pflanzenzüchtung schlagen sich nun auch in der Forschung nieder - und wecken Widerstand unter Pflanzengenetikern und Agrarexperten. In einem offenen Brief wenden sich mehr als 100 Wissenschaftler an den Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, und fordern den Grünen-Politiker dazu auf, ein gestopptes Forschungsprojekt zur neuen Grünen Gentechnik wieder auszuschreiben. Eine konstruktive, sachliche Debatte über die neuen Methoden sei nur auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen möglich, heißt es in dem Brief.

Kretschmann hatte das wissenschaftliche Projekt in der vergangenen Woche nach eigener Aussage "auf Eis gelegt", weil es in der grünen Landesfraktion Bedenken gegeben hätte. Diese Bedenken verstehe er, sagt der Ministerpräsident der Stuttgarter Zeitung. Initiiert worden war das mit fünf Millionen Euro dotierte Forschungsvorhaben von einer weiteren Grünen-Politikerin, der Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Bauer gilt als offen gegenüber den neuen Gentechniken, die Experten zufolge nur minimale Veränderungen im Erbgut der Pflanzen bewirken und sich deshalb nicht von konventioneller Züchtung oder natürlichen Evolutionsprozessen unterscheiden.

Neue Technologien seien wichtig, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln

Darauf verweisen auch die 100 Wissenschaftler in ihrem Brief an Kretschmann. "Mit den als Genome Editing bezeichneten Verfahren geht es darum, kleine Veränderungen in vorhandenen Genen der Pflanzen auszulösen. Diese Veränderungen sind von natürlich und in der konventionellen Züchtung auftretenden Mutationen nicht unterscheidbar", schreiben die Fachleute in ihrem Brief. Die neuen Technologien seien von großer Bedeutung, um "Lösungsstrategien für eine nachhaltige Landwirtschaft in Anbetracht globaler ökologischer Krisen zu entwickeln". Dazu gehörten neue Sorten, die widerstandsfähig gegenüber Trockenheit, Versalzung und Krankheiten seien.

Zu den Unterzeichnern gehören neben prominenten Pflanzengenetikern der Universitäten Freiburg, Heidelberg, Hohenheim und Tübingen sowie des Karlsruher Instituts für Technologie auch Wissenschaftler von anderen angesehenen Hochschulen und Instituten, darunter Jens Boch von der Universität Hannover oder Jochen Kumlehn vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. Außerdem haben den Brief Experten für Welternährungsfragen wie Matin Qaim von der Universität Göttingen unterzeichnet.

Es ist nicht der erste Versuch von Wissenschaftlern, der Ablehnung gegenüber den neuen Methoden Argumente entgegenzusetzen. Seitdem der Europäische Gerichtshof in Luxemburg vor zwei Jahren geurteilt hat, dass die neuen molekularbiologischen Methoden in der EU als Gentechnik zu regulieren seien, sind schon mehrfach offene Briefe erschienen, in denen deutsche und europäische Pflanzenforscher die Unbedenklichkeit und zentrale Bedeutung der neuen Techniken für die Landwirtschaft unterstreichen.

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