Genforschung:Die Wiege der Indianer

Mit Hilfe von Gen-Analysen haben Wissenschaftler bestätigt, dass die Vorfahren der Ureinwohner Nordamerikas den Kontinent von Sibirien aus über die Beringstraße erreicht haben. Allerdings haben die Forscher nun auch herausgefunden, wo genau sie herkamen.

Christian Weber

Obwohl abgelegen vom Rest der Welt, gilt die bis zu 4500 Meter hohe Altai-Gebirgsregion im südlichen Sibirien als ein betriebsames Wegkreuz der frühen Menschheit. Seit Zigtausenden Jahren kamen und gingen dort die Völker.

Indianer Abstammung

Die Ahnen der Indianer Nordamerikas stammen offenbar aus dem Altai-Gebirge.

(Foto: SZ-Karte)

Jetzt konnte ein amerikanisch-russisches Forscherteam um den Anthropologen Theodore Schurr von der University of Pennsylvania nachweisen, dass vermutlich auch die Ureinwohner Nordamerikas ursprünglich aus der heutigen Republik Altai stammen (The American Journal of Human Genetics, Bd. 90, S.1, 2012).

Für ihre Studie analysierten die Forscher sogenannte mitochondriale DNA, die mütterlicherseits vererbt wird, sowie DNA des Y-Chromosoms, die vom Vater an den Sohn weitergegeben wird. Aus dem Vergleich von Erbgutproben heutiger Altai-Bewohner, von Menschen aus dem übrigen Südsibirien, Zentralasien, der Mongolei, Fernost und verschiedenen indigenen Gruppen im heutigen Nordamerika konnten die Forscher den Weg der frühen Bewohner des Altais rekonstruieren.

Demnach verließen sie vor etwa 20.000 bis 25.000 Jahren ihre alte Heimat, stießen bis an die Grenzen Sibiriens vor und gelangten schließlich über die Landenge der Beringstraße nach Nordamerika.

Da die Wissenschaftler sehr viele Genmarker auswerteten, seien die neuen Ergebnisse sehr präzise und verlässlich, versichert Schurr. So lasse sich dank einer spezifischen Mutation auf dem Y-Chromosom die Wiege der Ur-Amerikaner genau lokalisieren: Es müsse sich um die südlichen Täler des Altai-Gebirges gehandelt haben.

Nur hier haben die heutigen Bewohner ein besonderes Gen-Merkmal, das auch die indigenen Einwohner Nordamerikas tragen. Allerdings räumen die Wissenschaftler ein, dass noch Fragen offen bleiben. So könnte es gewesen sein, dass der nordamerikanische Kontinent in mehreren Wellen durch unterschiedliche Ethnien besiedelt wurde.

© SZ vom 27.01.2012/mcs
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