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Genforschung:Politische Aspekte

Ein weiterer Marker im askenasischen Erbgut bestätigt eine bekannte demographische Delle, bei der die Zahl der europäischen Juden Anfang des 15. Jahrhunderts auf 50.000 gesunken und bis zum 19. Jahrhundert wieder auf fünf Millionen gewachsen war. "Die Studie stützt also die These, dass alle Juden durch eine gemeinsame genetische Geschichte verbunden sind", resümiert Ostrer.

Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur von historischem Interesse, sondern dienen auch als handfestes politisches Argument. Denn unter anderem aus der Idee der gemeinsamen Abstammung leiten die Nachfahren der vertriebenen Juden das Recht ab, den Staat Israel auf dem Gebiet des ehemaligen Heiligen Landes zu gründen.

Auf ihr beruht letztlich auch das sogenannte "Rückkehrgesetz", das jeder als Jude anerkannten Person bei der Einreise sofort die israelische Staatsbürgerschaft garantiert.

Die New Yorker Genetiker verweisen zudem ganz pragmatisch auf den medizinischen Nutzen ihrer Forschung. "Die Studie liefert uns Informationen, von der nicht nur Menschen jüdischer Abstammung profitieren können, sondern alle", sagt Co-Autor Edward Burns. "Indem sie ein umfassendes genetisches Profil verschiedener jüdischer Gruppen liefert, hilft sie uns beim Verständnis der Genetik von Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes und anderer Volkskrankheiten."