bedeckt München 20°

Gene Editing:Großbritannien erlaubt Genmanipulation an Embryos

Embryo selection for IVF light micrograph Embryo selection for IVF light micrograph PUBLICATIONxIN

Großbritannien will Genmanipulationen an Embryonen erlauben

(Foto: imago/Science Photo Library)
  • Zum ersten Mal weltweit erlaubt eine nationale Aufsichtsbehörde Genmanipulation an gesunden menschlichen Embryos.
  • Die Entscheidung dürfte die ethische Debatte über Genmanipulationen am Menschen wieder entfachen.

Großbritannien hat erstmals die Genmanipulation an gesunden Embryos im Rahmen eines Forschungsprogramms zu Frühgeburten erlaubt. Der entsprechende Antrag der Molekularbiologin Kathy Niakan vom Francis Crick Institute auf eine Ausweitung der Forschungslizenz sei genehmigt worden, teilte die zuständige Behörde HFEA am Montag mit.

Die Entscheidung dürfte die ethische Debatte über Genmanipulationen am Menschen wieder anheizen. Dem Fachblatt Nature zufolge ist es das erste Mal weltweit, dass eine nationale Aufsichtsbehörde Genmanipulation an einem menschlichen Embryo erlaubt hat.

Einer Mitteilung des Instituts zufolge möchte das Team um Niakan die "Crispr/Cas9" genannte Methode zur Manipulation des Erbguts einsetzen. Niakans Team will Gene manipulieren, die in den ersten Tagen nach der Befruchtung aktiv sind. Nach sieben Tagen soll das Experiment beendet und die Embryonen zerstört werden.

Das Experiment soll einen Beitrag zur Fruchtbarkeitsforschung liefern

Die Forscher hoffen, durch die Methode Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich Unfruchtbarkeit behandeln lässt. Die gespendeten Embryonen dürfen nur zu Forschungszwecken verwendet werden und können daher nicht in einer späteren Therapie zum Einsatz kommen. Bei dem Experiment geht es also um Grundlagenforschung. Die Embryos selbst stammen von Paaren, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen haben. Bei dem Prozess bleiben üblicherweise mehrere Embryos übrig, die nicht in die Gebärmutter eingepflanzt werden.

Während einer Pressekonferenz im vergangenen Monat führte Niakan Details des Versuchs aus: Im ersten Experiment werde man versuchen, die Aktivität eines regulierenden Gens zu blockieren. Die "Crispr/Cas9"-Technik funktioniert dabei wie eine Schere im Erbgut, mit der sich einzelne Abschnitte gezielt herausschneiden oder einfügen lassen. Das Experiment soll binnen einer Woche beendet werden. Zu diesem Zeitpunkt bestünde der Embryo aus etwa 250 Zellen.

Im vergangenen Jahr hatten chinesische Wissenschaftler bereits eine Arbeit veröffentlicht, in der sie den gezielten Eingriff in das Erbgut mittels "Crispr/Cas9" dokumentieren. Die Forscher experimentierten allerdings mit lebensunfähigen Embryos. Niakans Arbeitsgruppe strebt Versuche an gesunden Zellen an.

Die Zustimmung einer Ethikkommission zu dem Vorhaben von Niakan und ihrem Team steht noch aus. Erst danach können die Experimente beginnen.

© SZ.de/afp/jly/chrb

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite