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Gender:Bitte keine Männer

Sigrid-Siegmund-Haus der LMU in München, 2017

Eine Wissenschaftlerin in einem Labor.

(Foto: Florian Peljak)

An der TU Eindhoven sollen sich nur noch Frauen auf ein Förderprogramm für Wissenschaftler bewerben dürfen. Das ist falsch.

Sie war eine Heldin der Wissenschaft, den Missbrauch ihres Namens hat sie nicht verdient. Die französische Physikerin und Chemikerin Irène Joliot-Curie (1897 - 1956) forschte gemeinsam mit ihrem Mann Fréderic, während sie zwei Kinder aufzog. Ihr Sohn war ein Jahr alt, als das Forscherpaar 1933 erstmals künstliche Radioaktivität nachwies. Dafür wurde es 1935 mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet.

In einer Epoche, als Frauen in Frankreich noch nicht mal das Wahlrecht hatten, war sie kurze Zeit Wissenschafts-Staatssekretärin. Später war das Ehepaar in der Résistance aktiv, zudem hatte sie immer wieder mit der Tuberkulose zu kämpfen. Es ist fragwürdig, dass nun ausgerechnet Irène Joliot-Curie ihren Namen hergeben muss für ein neues Fellowship-Programm an der Technischen Universität Eindhoven (TUE). An der Hochschule dürfen sich ab dem 1. Juli nur noch Frauen um die attraktiven Fünf-Jahres-Tenure-Track-Positionen bewerben, die zur unbefristeten Professur führen sollen.

Und wo wäre das schlimmer als in der Forschung?

Erst wenn sich sechs Monate lang keine Frau findet, dürfen auch Männer ran. Es ist eine Art der Karriereförderung, die nun gar nichts mit dem Leben von Irène Joliot-Curie zu tun hat, die sich in einem tatsächlich extrem frauenfeindlichen Wissenschaftssystem nach oben kämpfen musste. Der Werdegang der französischen Physikerin sollte nun wirklich nicht zum Vorbild junger Wissenschaftlerinnen werden; so viel Kraft und den Ehrgeiz kann man nicht von allen erwarten. Doch genauso falsch ist es, Männer einfach zur Seite zu räumen. Sicher ist es wichtig, Frauen zu fördern, die in den Mint-Fächern unterrepräsentiert sind.

An der TUE sind derzeit nur 29 Prozent der Assistenz- und 15 Prozent der Vollprofessuren von Frauen besetzt. Vielleicht kann man sich sogar darauf einigen, dass Frauen bei gleicher Qualifikation derzeit bevorzugt werden sollten. Wobei man fragen darf: Wie häufig kommt ein solcher Gleichstand tatsächlich vor? Die 100-Prozent-Quote jedoch führt ins Absurde, woran fast jede Quote krankt: Sie bestraft Männer der Gegenwart für die Fehler der Vergangenheit.

Sie geht davon aus, dass sich über Personalpolitik gesellschaftliche Fehlstellungen korrigieren lassen. Sie ignoriert, dass es Unterschiede in den Interessen und womöglich sogar in manchen Fähigkeiten der Geschlechter gibt. Sie führt nicht zur Auswahl der Besten. Und wo wäre das schlimmer als in der Forschung?

Über all diese Fragen kann man ewig diskutieren. Vielleicht wäre es einfacher, wenn man alle Energie in die Frage stecken würde, wie tatsächlich der oder die am besten Qualifizierte eine Position erhält. Irène Joliot-Curie hätte das wahrscheinlich für eine gute Idee befunden.

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