Gemischte Gefühle: Verwirrtheit "Eine typische Emotion von Anfängern"

Sie kritisieren, dass in der Medienwirkungsforschung der Fernseher gemeinhin nur als eine Art elektronisches Fenster verstanden werde, bei dem es genüge, die vor ihm verbrachte Zeit zu messen.

Tatsächlich sei selbst der Konsum der ebenso simplen wie beliebten Baby-Videos vor allem verwirrend: die Auflösung der Details sei geringer, das Gesichtsfeld kleiner, es fehle die räumliche Tiefe, der Zusammenhang von Bildern und Tönen sei manchmal unklar.

Die sekundenschnellen Schnitte, Zooms und Perspektivwechsel überforderten das Gehirn des Kleinkindes und seien vielleicht sogar mit Schuld an der späteren Entwicklung von chronischen ADHS-Symptomen. Erst im Alter von etwa 13 Jahren könne ein Kind wirklich kompetent fernsehen.

Das Problem und die Herausforderung sei aber, bemerkt der auf ästhetische Emotionen spezialisierte Psychologe Paul Silvia von der University of North Carolina in Greensboro, dass auch Erwachsene mit voll ausgebildetem kognitiven Apparat etwa auf moderne Malerei, experimentelle Musik oder zeitgenössische Literatur mit dem Gefühl der Verwirrtheit reagierten.

Irritierende Emotionen in die richtige Bahn lenken

"Sie ist die typische Emotion von Anfängern, die mit Werken konfrontiert werden, die sie nicht verstehen." Dies führe leider häufig dazu, dass Menschen ihre Geisteskräfte auf andere Dinge richten. "Verwirrtheit ist ein metakognitives Signal", sagt Silvia.

"Es informiert Menschen, dass sie nicht verstehen, was gerade passiert, und dass eine Verhaltensänderung nötig ist, etwa eine neue Lernstrategie, mehr Anstrengung oder auch ein Rückzug." Die Herausforderung sei es nun, ob in der Kunst oder anderswo, die irritierende Emotion in die richtige Bahn zu lenken, sie also als Denkanstoß zu nutzen.

In einer Studie für das Fachmagazin Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts (Bd.4, S. 75, 2010) beschrieb Silvia vor kurzem, wie er sich eine solche emotionsbasierte Kunstpädagogik vorstellt: Zuerst verwirrte er seine 50 Versuchsteilnehmer, indem er sie ein Gedicht mit leicht kryptischen Versen lesen lies, die ungefähr so zu übersetzen sind:

"so kühn gegen die Menschen / mit einer so großen Kehle / getrennt durch hundert Jahre / voller Missgeschick: der blutige / Ausfluss, genommen in einem Anfall von Wahnsinn / nahe daran Menschenfleisch zu essen / um zu gegebener Zeit vermessen zu werden / von den Naturforschern."

Silvia konnte nun statistisch signifikant nachweisen, so berichtet er stolz, dass die Verwirrung der Teilnehmer nachlies und ihr Interesse an dem Gedicht wuchs, wenn ihnen ein Schlüssel zum Textverständnis mitgeliefert wurde, nämlich: "Hier geht es um Killerhaie." Alles klar?