Philosophie Mit der Vernunft in eine bessere Zukunft

Aufklärung und Politik

Leibniz entschied sich gegen eine akademische Laufbahn im engeren Sinne und war stattdessen als prägender Denker der Frühaufklärung bei Hofe angestellt und beriet unter anderem den französischen König Ludwig XIV. Er war also ein Denker von beträchtlichem politischem Einfluss.

Leibniz wollte das Wirkliche verändern, indem er mit der Vernunft eine bessere Zukunft anpeilte. Sein Satz von der besten aller möglichen Welten bedeutet nicht, dass wir unfrei sind. Er war alles andere als ein Fatalist. Vielmehr geht es ihm prinzipiell darum, durch eine grandiose metaphysische Theorie nachzuweisen, dass wir die Wirklichkeit durch unsere Perspektive in Zukunft verändern und damit auch verbessern können. Leibniz, der Denker unendlicher und dennoch durchs Wirkliche beschränkter Möglichkeiten.

Nur das bereits Wirkliche und Vergangene kann man nicht mehr beeinflussen, sondern es nur in Zukunft verändern, indem man etwas Neues schafft. Anhand Gottes experimentiert Leibniz mit politischen Möglichkeiten für unser Diesseits. Dabei ging es ihm um eine weltpolitische Ordnung, die uns allen ein im Licht der Vernunft geführtes Leben ermöglicht. Aufklärung ist ein Auftrag, der niemals zu Ende gebracht wird, weil die Vernunft das, was noch nicht ist, gestaltet.

Wir fragen uns in jedem Moment, was als Nächstes zu tun ist, und realisieren damit Möglichkeiten. Leibniz entwirft ein Weltgebäude, das uns auffordert, uns für die unendlichen Möglichkeiten des Andersseins zu öffnen. Er ist ein Aufklärer und Antireduktionist. Das meiste, was wir ihm verdanken, haben wir noch kaum so gut verstanden wie er.

Es ist also an der Zeit, nach dreihundert Jahren ein weiteres Update vorzunehmen. Jedenfalls dürfen wir Leibniz nicht unterbieten, da er als Philosoph immer noch ein Vorbild für die Verbindung von spekulativer, metaphysischer Weitsicht mit politischer Klugheit darstellt.

Markus Gabriel ist Professor für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Universität Bonn.