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Gefährlicher Darmkeim Ehec:Amt warnt vor Salat, Tomaten und Gurken

Die lebensgefährliche Ehec-Darminfektion breitet sich immer dramatischer aus, mindestens 140 Menschen sind schwer erkrankt. Das Robert-Koch-Institut warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen. Ärztepräsident Hoppe glaubt, die Ausbreitung der Krankheit kann gestoppt werden - mit einer einfachen Maßnahme.

Sind rohe Blattsalate, Tomaten und Gurken Schuld an der sich schnell ausbreitenden Ehec-Erkrankungen? Das Robert Koch-Institut (RKI) warnte am Mittwochabend in Berlin vor dem Verzehr dieser Gemüsesorten: Eine Studie habe gezeigt, dass Ehec-Erkrankte deutlich häufiger Salat, Tomaten und Gurken gegessen hätten als gesunde Vergleichspersonen. Experten raten darum, vorsorglich auf diese Lebensmittel ganz zu verzichten - besonders, wenn sie aus Norddeutschland kommen.

Institut raet vom Verzehr von Tomaten und Salatgurken ab

Das Robert-Koch-Institut rät davon ab, Tomaten, Gurken und Blattsalat aus Norddeutschland zu essen. Es könnte sein, dass der gefährliche Durchfall-Erreger Ehec davon ausgeht.

(Foto: dapd)

Dennoch suchen die Experten weiter fieberhaft nach dem Auslöser für die lebensbedrohliche Darmerkrankung. Eine oder mehrere der genannten Gemüsesorten könnten mit der Ehec-Welle zusammenhängen. Aber auch andere Lebensmittel wie Fleisch, Milch und Käse kommen nach wie vor als Infektionsquelle infrage - auch wenn dort noch keine Ehec-Keime nachgewiesen wurden.

Wegen der Ehec-Epidemie in Deutschland könnte bald europaweit die Alarmstufe 1 ausgerufen werden. Dies sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im EU-Parlament, Jo Leinen (SPD), der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der gefährliche Ehec-Erreger auch auf andere EU-Länder überspringt." Bei der Alarmstufe 1 werden alle EU-Staaten aufgerufen, Maßnahmen zum Schutz ihrer Bevölkerungen einzuleiten, hieß es.

Derzeit erlebe Deutschland den stärksten je registrierten Ehec-Ausbruch, sagte RKI-Chef Reinhard Burger. Es gebe so viele Erkrankte pro Woche wie sonst in einem Jahr. Zwei Drittel der Betroffenen seien Frauen. Beim aktuellen Krankheitsausbruch sind mindestens zwei Frauen nachweislich durch den Erreger gestorben. In weiteren Fällen besteht der Verdacht, dass Ehec die Todesursache ist. Zudem kann die Erkrankung zu Nierenschäden führen.

Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe hält die Ausbreitung des gefährlichen Keims für beherrschbar. "Wenn die Bürger jetzt die Hygiene-Empfehlungen einhalten, dann kann die schnelle Verbreitung des Ehec-Bakteriums gestoppt werden. Ich gehe davon aus, dass das gelingen wird", sagte Hoppe der Rheinischen Post in Düsseldorf. Für die Versorgung der Kranken sieht Hoppe das Land gut gerüstet: "Es gibt in Deutschland genug Dialyse-Stationen, so dass alle an dem Ehec-Bakterium schwer Erkrankten versorgt werden können. Darüber müssen wir uns keine Sorgen machen."

Mehr als 600 Kranke, mindestens drei Tote

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) nannte die Ausbreitung "besorgniserregend". Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa waren am Mittwoch mehr als 600 Fälle registriert, von denen aber noch nicht alle bestätigt sind - am Dienstag waren es noch etwa 460.

Die Zahl der besonders schweren Krankheitsverläufe mit blutigem Durchfall und Nierenversagen ist laut RKI auf mindestens 140 gestiegen. Mindestens drei Menschen sind bereits daran gestorben. Auch eine in der Nacht zum Dienstag gestorbene 24-Jährige aus Bremen war Opfer des Durchfallkeims, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Meldungen über bestätigte Infektionen oder Verdachtsfälle kommen mittlerweile aus 15 der 16 Bundesländer - nur Rheinland-Pfalz hat noch keinen Fall gemeldet. Der Schwerpunkt der Infektionen liegt in Norddeutschland. Am stärksten betroffen ist derzeit Hamburg. Für den Stadtstaat und Schleswig-Holstein meldeten die Behörden zusammen mehr als 400 Erkrankungen und Verdachtsfälle.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf befürchtet, dass dort infizierte Patienten sterben werden. "Wir müssen damit rechnen, Patienten zu verlieren", sagte der Nierenspezialist Rolf Stahl. Den Angaben zufolge werden derzeit 33 Erwachsene und 14 Kinder behandelt. RKI-Chef Burger glaubt, dass die Infektionszahlen abflauen werden, wenn das bakterienhaltige Lebensmittel gefunden sei.