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Parasiten im Südsudan:"Wenn da ein Wurm ist, dann krieg ich ihn"

Er erinnert sich noch gut, wie mühsam es während des Krieges war, gegen diesen Parasiten anzukämpfen. "Um ihn auszurotten, braucht man Frieden und stabile Gemeinden", sagt er. Nur so kann man die Menschen aufklären und einfache Hilfsmittel verteilen. Makoy holt ein kleines schwarzes Rohr hervor, das aussieht wie eine Flöte, innen ist eine Membran eingezogen, durch die man Wasser saugen kann. Mit diesem Rohr kann man auch aus Tümpeln trinken, ohne die Larven des Guinea-Wurms einzusaugen.

Einfache Filter und Aufklärung haben dafür gesorgt, dass das Verbreitungsgebiet des Parasiten auch in Südsudan stark zusammengeschrumpft ist. Waren es 2006 noch 3137 Dörfer, die unter dem Wurm litten, so sind es im vergangenen Jahr nur noch 227 gewesen. "In diesen Gegenden ist unsere Arbeit allerdings sehr schwierig", sagt Makoy, dort kämpfen verfeindete Gruppen um Vieh; viele Menschen kommen ums Leben. Dennoch sagt Makoy: "In zehn Jahren können wir ihn ausrotten" - vorausgesetzt, der Frieden hält. Im Regal stehen zwei Gläser mit Alkohol, darin hat Makoy zwei besonders lange Exemplare konserviert, so hat er das Problem stets vor Augen.

Es ist nicht leicht, einen solchen Wurm aus dem Körper zu holen. Man braucht ein kleines Stöckchen, sehr viel Geduld und gute Nerven - so wie Rebecca Godong. Sie hat es geschafft. Der Parasit wird auf das Stöckchen gewickelt und darf jeden Tag maximal fünf Zentimeter herausgezogen werden. Reißt er, gibt es böse Infektionen. Der Tag, als er dann draußen war, sei wie ein Fest gewesen, erinnert sie sich.

Bauer Logora weiß noch nicht, ob auch er bald feiern kann. Seine Hand steckt nun schon zehn Minuten im Wasser. "Der Parasit stößt im Wasser seine Larven aus," erklärt der Helfer Doggaare. Das geübte Auge kann das erkennen. Wenn erkrankte Menschen also baden oder sich in einem Tümpel waschen, bringen sie den Parasiten zurück in das Wasser.

Der Wurm nutzt den Moment, um seine Larven zu entlassen, die werden dann wieder von den kleinen Krebsen gefressen und später nehmen Menschen sie auf, wenn sie aus dem verseuchten Teich trinken. So schließt sich der Kreis.

Bauer Logora darf nun die Hand aus dem Wasser ziehen, nichts war zu entdecken. Vielleicht kommt die Infektion ja auch von einem Schnitt oder Kratzer. Serafino Doggaare desinfiziert und verbindet die Wunde, der Bauer beißt die Zähne zusammen. "Er muss jetzt noch einige Tage lang wiederkommen und jedes Mal die Hand ins Wasser tauchen", sagt der Helfer. "Wenn da ein Wurm ist, dann krieg ich ihn."