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Parasiten im Südsudan:Jimmy Carter will den letzten Guinea-Wurm überleben

Jimmy Carter ist nun 86 Jahre alt, aber fest entschlossen, den letzten Guinea-Wurm der Welt zu überleben. Letztlich aber können nur die Südsudanesen selbst die Krankheit besiegen. Je mehr sie wissen über den Wurm und seinen Lebenszyklus, umso eher wird ihnen das gelingen. Der Schlüssel liegt in der Aufklärung, und die ist auch nach dem Ende des Bürgerkriegs noch schwierig.

Es ist ein Land, in dem es noch heute kaum eine Wasserleitung gibt. Wer durstig ist, schöpft Wasser aus Bächen oder Tümpeln. Dabei schluckt er kleine Krebse, welche die Larven des Parasiten in sich tragen. So gelangt dieser in Magen und Dünndarm, wo er die Schleimhaut durchdringt, ausreift und sich paart.

Der weibliche Wurm dringt weiter ins Gewebe vor, wandert häufig in Arm oder Bein und wächst ein Jahr lang. Manche Exemplare werden unter der Haut über einen Meter lang. Und irgendwann brechen sie heraus, das kann an jeder Stelle des Körpers geschehen.

Serafino Doggaare, der Mann der Carter-Stiftung, hat immer seinen schwarzen Rucksack mit Verbandszeug und Medikamenten dabei, wenn er durch die Dörfer streift. Manchmal ist er tagelang zu Fuß unterwegs, denn der neue Staat Südsudan hat so gut wie kein Straßennetz, das die Menschen verbinden könnte. In der Trockenzeit sind die wenigen Pisten im Busch staubig und voller Schlaglöcher. Wenn es regnet, verwandeln sie sich in schlammige Gräben.

Es dauert an diesem Morgen nicht lange, bis der Helfer den Verband des Bauers gelöst hat, eine Wunde am Mittelfinger ist zu sehen, aber einen Wurm kann er nicht entdecken. "Vielleicht werden wir es gleich wissen", sagt Doggaare und taucht den Finger in den Wassereimer. Dann starrt er hinein.

Auch bei Rebecca Modong hat es länger gedauert, bis sie wusste, was da in ihrer Wade schmerzte. Die 40-Jährige lebt im Dorf Natorok in der Region "Central Equatoria" und baut mit ihrem Mann Hirse und Mais an. Sie führen ein entbehrungsreiches Leben. Aber die Bäuerin hätte sich nicht vorstellen können, dass es sie einmal so schlimm erwischen würde. "Zu nichts war ich mehr fähig", sagt sie. Lähmungen, Schwellungen, Kopfweh, Schmerzen in den Gelenken. Und jeden Tag wurden die Qualen schlimmer.

Sie hatte ihren Fall 2009 der Gesundheitsbehörde gemeldet und bekam auch prompt professionelle Hilfe. Ein Glücksfall war das, wie es ihn früher kaum gab. Dass der Kampf erheblich vorangekommen ist, liegt aber nicht nur am Engagement des unermüdlichen Jimmy Carter, sondern auch an Einheimischen wie Samuel Makoy, dem Spezialisten des Gesundheitsministeriums in Juba.