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"Gebrochene Herzen":Tod aus der Seele

So ist der Januar oft der Monat mit den meisten Todesfällen - womöglich, weil viele alte Menschen nach dem Heiligen Fest in einen trostlosen Zustand sinken. "Es gibt auch Untersuchungen, die bei hohen Geburtstagen eine leichte Verschiebung der Sterberate hinter den Geburtstag verzeichnen", sagt Klaus-Dietrich Stumpfe, emeritierter Professor für Sozialpsychiatrie, der sich viele Jahre mit dem Tod aus der Seele befasst hat.

Todesserie am Unabhängigkeitstag

Eine besondere Todesserie zeigt sich am Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten von Amerika: Gleich drei der ersten fünf Präsidenten der USA (John Adams, Thomas Jefferson und James Monroe) sind an einem 4. Juli gestorben. Zwei von ihnen, John Adams und Thomas Jefferson, haben die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben; diese beiden starben sogar am 50.Jahrestag dieses Ereignisses, am 4. Juli 1826.

Vermutlich ist es ein biochemisches Feuerwerk, welches das Dahinscheiden einleitet. "Es sind starke innere Bilder, die zur Heimsuchung der Betroffenen führen", sagt Gary Bruno Schmid. "Sie stimulieren auf äußerst wirksame Weise physiologische Prozesse, die dann den Körper sterben lassen."

Schon lange wissen Psychoneuroimmunologen, dass seelische Veränderungen die Zellen des Nerven- und Immunsystems dazu anregen können, ihre hochwirksamen Botenstoffe auszuschütten.

Beim psychogenen Tod scheinen diese den Organismus so stark durcheinander zu bringen, dass er ablebt. "Trauer und Depression bestehen ja nicht aus Luft", sagt Wolfgang Eisenmenger, vielmehr würden sie im Gehirn zu biochemischen Substanzen. Hormone könnten dann zusammen mit Veränderungen des vegetativen Nervensystems, welches die Eingeweide versorgt, den Tod auslösen.

"Die Macht liegt in uns"

Eine Gemeinsamkeit haben all diese mysteriösen Todesfälle: Es geht um Verlust - von Menschen, von Bindungen, von Heimat, Arbeit oder auch von Werten. "Der psychogene Tod tritt ein, wenn man sich von allen schützenden Mächten verlassen fühlt", so Kächele. Kriegsgefangenen in Lagern hielten meist so lange durch, bis ein äußerer Anlass ihre Situation völlig ausweglos erscheinen ließ - etwa wenn die Ehefrau mitteilte, sich scheiden lassen zu wollen.

Nicht einmal Schläge der Wärter konnten die Männer dann noch dazu bewegen, aufzustehen; sie gaben sich auf, wie amerikanische Lagerärzte mit ihrer Wortschöpfung "give-up-itis" treffend bemerkten.

Die Kranken krochen häufig in eine Ecke, lehnten jegliches Nahrungsangebot ab und waren wenige Tage später tot."Der Mensch hat die Macht über das Leben und Sterben traditionellerweise den Göttern und den Sternen überlassen", sagt Gary Bruno Schmid. "Die Macht liegt aber offensichtlich auch in uns."