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"Gebrochene Herzen":Tod aus der Seele

Dabei ist die Macht der Seele Anthropologen und Ethnologen schon seit Jahrhunderten bekannt. Sie wissen, dass gesunde Menschen sterben, wenn sie nur fest daran glauben, ihr Tod sei nahe - etwa weil sie gegen ein Tabu verstoßen haben.

Angst vor dem Voodoo-Priester

So berichtete der Völkerkundler N.S.Yawger 1936 von einer Südseeinsel, auf der "starke, gesunde, junge Eingeborene innerhalb weniger Wochen hinscheiden", wenn ihnen gesagt wird, dass ein Voodoo-Priester von ihnen ein Bildnis geformt, mit einem spitzen Zweig durchbohrt und in einer Flamme geschmolzen hat.

Dem Verwünschten bleiben nur noch einige Stunden, maximal ein paar Tage. Sobald er entdeckt, dass er zum Tode verurteilt wurde, "bietet er einen bedauernswerten Anblick", berichtete der Ethnologe Herbert Basedow 1925.

"Er steht entgeistert da, die Augen werden glasig und der Ausdruck seines Gesichts wird schrecklich verzerrt. Er versucht zu schreien, aber alles, was man sehen kann, ist Schaum vor seinem Mund."

Auch mit ärztlicher Hilfe ist gegen die Verwünschung meist nichts mehr auszurichten - es sei denn, der Verfluchte hält die ",Magie des Weißen Mannes' für noch stärker", so Kächele. "Die Menschen essen und trinken nichts mehr, aber sie verdursten nicht einfach - dafür geht alles viel zu schnell."

Doch gebe es zwei Voraussetzungen, damit der Tod durch Voodoo auch eintrete, betont Schmid: "Das Opfer muss wissen, dass es zum Tode verdammt ist; und es muss absolut davon überzeugt sein, dass dies funktioniert."

Selbst die katholische Kirche ist sich des Einflusses bewusst, den die Psyche auf das Sterben hat. Weil die Letzte Ölung schon so manchem Gläubigen den Tod gebracht hat, beschloss das Zweite Vatikanische Konzil Anfang der 1960er-Jahre, das heilige Ritual künftig als "Krankensalbung" zu deklarieren.

"Es ist soweit" - diese mitunter unbegründete Überzeugung kann auch außerhalb ritueller Handlungen Menschen das Leben kosten: Frauen wie Männer sterben nach Autounfällen, obwohl ihnen gar nichts Schlimmer passiert ist. Legendär ist der Bericht eines im Kühlwagen Eingeschlossenen, der sein Erfrieren detailliert in einem Abschiedsbrief beschrieb und dann starb, obwohl das Kühlaggregat gar nicht eingeschaltet war.

Auch stark emotional beladene Tage können dieses "Es ist soweit" vermitteln: der Todestag des Vaters etwa, das schon lange vorausgeahnte oder gar von einer Wahrsagerin prophezeite Sterbedatum oder das alljährliche Weihnachten.