Ein Shopping-Wochenende in New York, das täte der Seele gut. Der Flug dorthin dauert keine Ewigkeiten, und sich durch Manhattan treiben zu lassen, schön essen zu gehen und Freunde zu treffen, wäre den Aufwand wert. Ein Städtetrip ist ja auch ein schöner Kontrast zum später im Jahr geplanten Yoga-Retreat auf Bali. Sonne, Exotik, Natur, Entspannung und die Work-Life-Balance mal wieder von Work in Richtung Life verschieben, sind angesichts der ständig hohen Arbeitsbelastung hochverdient. Und das Klima, die Umwelt? Man macht doch schon so viel: Photovoltaikanlage auf dem Dach, Wärmepumpe im Keller, Elektroauto in der Garage, Recycling sowie ideelle, manchmal gar finanzielle Unterstützung für die Klimabewegung. Da sollte das bisschen Fliegen doch in Ordnung sein, oder?
Diese hypothetische Schilderung klingt natürlich wie ein überspitztes Zerrbild. Doch könnte sie in manchen Fällen der Realität nahekommen. Gerade haben Wissenschaftler um Malte Dewies von der Universität Cambridge eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Menschen mit hohem sozioökonomischen Status, also hochgebildete, wohlhabende Leute, hinterlassen einen größeren ökologischen Fußabdruck als Personen mit geringeren Möglichkeiten. Das ist wenig überraschend: Wer viel Geld hat, konsumiert auch mehr. Verblüffend ist aber eine weitere Beobachtung, von der die Forscher im Fachblatt Communications Earth & Environment berichten. Den größten ökologischen Fußabdruck haben demnach wohlhabende Menschen, denen die Umwelt besonders am Herzen liegt. Sie verbrauchen mehr Ressourcen als vergleichbar gut gestellte Leute, deren Herz weniger ökologisch schlägt.
Statusmerkmale der kosmopolitischen Elite
Die Wissenschaftler werteten repräsentative Daten von 5069 Teilnehmern aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Kanada aus und kalkulierten den ökologischen Fußabdruck mit einer aufwendigen Methodik. Bei Personen mit niedrigem und mittlerem sozioökonomischen Status korrelierte Umweltbewusstsein mit einem geringeren Ressourcenverbrauch. Erst in Richtung Spitze der sozialen Pyramide drehte sich der Zusammenhang im Durchschnitt aller untersuchten Staaten um. Allerdings streuten die Ergebnisse von Land zu Land. Nicht überall ergaben sich die gleichen, klaren Zusammenhänge. In Deutschland und Frankreich zum Beispiel fand sich keine klare Korrelation von Status und Fußabdruck.
Dass in manchen Stichproben gerade die wohlhabenden Klimabesorgten stärker gegen die Umwelt sündigen, lasse sich gänzlich durch deren privates Mobilitätsverhalten erklären, schreiben die Forscher um Dewies. Es sei Teil der Identität und ein wesentliches Statusmerkmal dieser kosmopolitischen Elite, die Welt zu bereisen und viel zu fliegen. Zugleich nutzten diese tatsächlich ehrlich umweltbesorgten Menschen ihr in anderen Bereichen ökologisch vorbildliches Verhalten, um sich ihre Fliegerei selbst gegenüber zu rechtfertigen. Die Ergebnisse mögen zwar heterogen ausfallen, ein Fazit aber ziehen die Forscher mit großer Gewissheit: Klimabewusstsein und ökologische Werte führen nicht automatisch zu entsprechendem Verhalten. Manchmal sogar im Gegenteil.

