Fund in Brandenburg Qualvoller Tod mit dem Rad

Darstellung des Räderns in einem Holzschnitt von 1586

(Foto: Lewenstein, Wikimedia Commons)

Erstmals haben Archäologen in Deutschland das Skelett eines Mannes gefunden, der vor rund 500 Jahren gerädert wurde. Ein erschütterndes Zeugnis der Rechtssprechung - Hinrichtungen dieser Art zogen sich über Tage.

Die Überreste des mit dem Rad hingerichteten Mannes kamen durch Zufall bei Straßenbauarbeiten ans Tageslicht - zwischen Perleberg und Pritzwalk. Dort verlief einst eine alte Heeresstraße.

"Es ist ein einzigartiger Fund", sagt Jost Auler, Archäologe und Autor mehrerer Bücher über Hinrichtungsstätten. Erstmals konnte untersucht werden, welche Spuren diese brutale Strafe hinterließ. Meist waren die Leichen der Verurteilten zum Teil über Jahre hinweg zur Abschreckung Wind und Wetter ausgesetzt. "Vögel nahmen Knochen weg", sagt Auler.

"Der Geräderte ist eine eindrückliche und erschütternde Quelle unserer Kultur- und Rechtsgeschichte", sagt der Direkter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und archäologischen Landesmuseums, Franz Schopper.

"Es schockierte das Aussehen, das anatomisch nicht zu erklären war", sagt Anthropologin Bettina Jungklaus. Der Tote lag auf dem Rücken, die Arme seitlich nach oben zum Hals angewinkelt, die Beine nach hinten gedreht. Alle längeren Knochen waren zerschlagen, viele nur noch in Teilen erhalten. "Die Verletzungen wurden sehr gezielt herbeigeführt", sagt Christof Krauskopf vom Landesamt für Denkmalpflege. "Einen Unfall kann man wohl ausschließen." Mit Hilfe einer eisernen Gürtelschnalle konnte der Fund auf die Zeit zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert datiert werden.

Dem Opfer wurden die Knochen sehr gezielt zertrümmert

(Foto: Bettina Jungklaus)

Tagelanges Leiden

Rädern wurde in zwei Schritten vollzogen. "Zunächst zerschlugen die Henker dem nackten Verurteilten mit einem Wagenrad die Knochen", sagt der Experte für Rechtsgeschichte des Mittelalters von der Universität Bielefeld, Wolfgang Schild. Ziel sei dabei nicht der Tod des Delinquenten gewesen. "Er sollte erst auf dem Rad sterben", sagt er. Das Opfer wurde durch die Speichen geflochten oder festgebunden. Anschließend kam das Rad auf einen Pfahl. Der qualvolle Tod dauerte Tage.

Bei dem Toten von Groß Pankow konnten die Torturen genau dokumentiert werden. Ein schwerer Schlag hatte ihm beispielsweise das halbe Gesicht weggerissen, wie am lädierten Schädel erkennbar. Wohl ein Gnadenakt, um die Qualen zu verkürzen. Für welche Tat der Mann so martialisch bestraft wurde, ist unklar. In den Gerichtsbarkeiten der Region fehlen Unterlagen zu Urteilen in jener Zeit.

Bis zur Abschaffung im 18. Jahrhundert wurde die Strafe vor allem bei Mord verhängt. In welcher Nacht- und Nebelaktion der Geräderte von Groß Pankow dann doch unter die Erde kam, ist unklar. Möglicherweise wurde er an einer mobilen Hinrichtungsstätte bestraft. Die Leiche blieb zurück, ein Mitfühlender erbarmte sich und begrub die Überreste.