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Freiheit der Wissenschaft:"Rauchen tötet nicht"

Medizin: Warten und Beten gegen HIV

In Atlanta ist der Schock greifbar. Hier sitzt die US-Seuchenschutzbehörde CDC, die unter anderem für Impfempfehlungen und die Bekämpfung von Infektionskrankheiten zuständig ist. Die Mitarbeiter müssen sich nun auf einen Präsidenten einstellen, der mehrmals behauptet hat, Impfstoffe seien gefährlich, und während des Ebola-Ausbruchs in Westafrika forderte, infizierte US-Helfer nicht wieder ins Land zu lassen. Die Stimmung sei katastrophal, berichteten Mitarbeiter einem Radiosender, Menschen heulten auf den Fluren.

Würde Trump tief in die Arbeit der Behörde eingreifen, könnten die Auswirkungen weit über die USA hinausreichen. Die CDC gibt jährlich 2,6 Milliarden Dollar für die globale Seuchenkontrolle aus und beschäftigt dazu 2000 Mitarbeiter in 60 Ländern. Trump hatte bereits erkennen lassen, dass dieses Engagement nicht seine größte Priorität genießt: Forschung und öffentliche Gesundheit müssten angesichts begrenzter Ressourcen gegen andere Forderungen abgewogen werden.

Fünf verschiedene Positionen in drei Tagen

Peter Hotez, Impfstoff-Forscher am Baylor College of Medicine in Houston, Texas macht vor allem Trumps Haltung zu Impfstoffen Sorge. "Wenn er als Präsident bei seiner Kritik an Impfstoffen bleibt, dann wäre das nicht nur für die USA eine Katastrophe. Es würde vermutlich auf die ganze Welt ausstrahlen und unsere Fortschritte im Kampf gegen viele Krankheiten auslöschen." Doch Hotez hofft, dass Trump zu pragmatisch ist, um sich in solchen Themen zu verkämpfen. "Wenn er einen Krieg gegen Wissenschaftler anzettelt, dann wird er den nicht gewinnen."

Auch Trumps künftiger Vize Mike Pence macht viele nervös. Vor Jahren behauptete er auf seiner Website, "Rauchen tötet nicht": Schließlich würden von drei Rauchern zwei nicht an Raucher-Krankheiten sterben. Ebenso unklar ist, wie es mit dem Kampf gegen Aids weitergeht. Als Pence Gouverneur in Indiana war, begegnete er steigenden HIV-Infektionen zunächst mit Warten und Beten. Die Einstellungen zu der Immunschwächekrankheit könnten ebenfalls globale Konsequenzen haben: Über das Programm Pepfar finanzieren die USA derzeit die Hälfte aller HIV-Behandlungen dieser Welt.

Volten legte Trump als Kandidat auch beim Thema Abtreibungen hin. Die Washington Post dokumentierte, wie er innerhalb von drei Tagen fünf verschiedene Positionen einnahm. Darunter auch die Androhung von Strafen für betroffene Frauen und Ärzte.

Umwelt: Republikaner gegen "radikale Umweltschützer"

Wie in vielen anderen Bereichen setzt Trump in der Umweltpolitik auf den Rückzug des Staates. Der Republikaner hält viele Vorgaben der EPA, der Umweltbehörde der USA, für überflüssig. "Was sie machen, ist eine Zumutung", sagte Trump im Interview mit Fox News. "Jede Woche erlassen sie neue Vorschriften." Der Umwelt werde es auch so gutgehen. Deutlicher werden Trumps Parteifreunde. "Die Umwelt ist zu wichtig, um sie radikalen Umweltschützern zu überlassen", heißt es im republikanischen Programm für den Kongress, wo die Republikaner nun in beiden Kammern die Mehrheit stellen.

Der "moderne Ansatz für Umweltschutz" bestehe darin, die Verantwortung für die Umweltgesetzgebung auf Bundesstaaten oder Landkreise zu verlagern. Die EPA soll als Organ für landesweite Umweltstandards weitgehend entmachtet, die Rechte von Umweltaktivisten vor Gericht sollen beschnitten werden.

Wie im Prinzip alles in der Umweltpolitik soll sich der Schutz bedrohter Tierarten der wirtschaftlichen Entwicklung und der Schaffung von Arbeitsplätzen unterordnen. Wenn es eine Tierart in einem anderen Land oder Bundesstaat in ausreichender Zahl gebe, müsse diese nicht gesetzlich geschützt werden. Als Beispiele werden der Wolf oder das kleine Präriehuhn genannt, das längst als gefährdet gilt. Insgesamt würden Umweltprobleme am besten durch technischen Fortschritt gelöst, schreiben die Republikaner, nicht durch von oben erlassene Vorschriften.

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