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Frauen in der Forschung:Was Wissenschaftlerinnen mitbringen müssen

SZ.de: Welche Empfehlungen haben Sie für Frauen, um in den MINT-Wissenschaften erfolgreich zu sein?

Kahlert: Sie müssen ihre Qualifikationen durch kontinuierliche Weiterbildungen immer auf dem neuesten Stand halten. Die eigenen Forschungsergebnisse müssen gut sichtbar als internationale Publikationen und Präsentationen auf internationalen Kongressen vorgestellt werden, damit das vorhandene Potenzial wertgeschätzt werden kann. Außerdem ist es wichtig, sich gezielt mit anderen Frauen und Männern zu vernetzen, national wie international, fachbezogen und fachübergreifend, um Informationen zu teilen und zu bekommen.

Bodewits: Den richtigen Partner finden! Das ist neben den offensichtlichen Kriterien wie harter und guter Arbeit der wichtigste Faktor. Wenn der Partner bereit ist, Verantwortung in der Familie zugunsten der Karriere der Frau zu übernehmen, verbessern sich die Chancen signifikant. Dann wird es auch deutlich einfacher, den Kontakt zur Wissenschaft niemals völlig abreißen zu lassen.

Malisa: Entschlossenheit, Engagement, Disziplin und ein starker Wille - diese Eigenschaften sind nötig, denn du verbringst den Großteil deiner Zeit mit männlichen Gegenspielern, die die Einstellung vertreten, dass du in eine Welt eindringst, die ihnen gehört.

SZ.de: Und was muss sich strukturell ändern?

Bodewits: Es muss möglich sein, langfristig zu planen - etwa durch weniger enge Begrenzung der Arbeitsverträge -, und gleichzeitig flexibel auf andere Ansprüche, etwa des Familienlebens, zu reagieren.

Kahlert: Erstens sind Quoten für die Besetzung von Stellen ab der Postdoc-Phase und für Professuren notwendig. Zweitens braucht es dauerhafte alternative Karrieremöglichkeiten zur Professur und unbefristete Mittelbaustellen. Drittens muss die Habilitation abgeschafft werden. Eine denkbare Alternative wäre ein Tenure-Track-Modell - also die Möglichkeit einer befristeten Bewährungszeit als Professorin mit der Chance auf eine Lebenszeitprofessur. Viertens wäre es ein großer Schritt, die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bereichen des Arbeitsmarkts und der Wissenschaft zu erhöhen, sodass auch Quereinstiege möglich werden. All dieses geht fünftens nicht ohne die selbstverständliche Berücksichtigung von Gender und Diversity im gesamten Wissenschaftssystem, von den Köpfen bis zur Organisationsstruktur und Wissenschaftspolitik.

Salo: Wir müssen darauf achten, dass Mädchen und junge Frauen in den MINT-Wissenschaften Mentorinnen haben, die sie beraten. Außerdem müssen wir anerkennen, dass die Karrieren von Frauen anderen Bahnen folgen als die von Männern und deshalb unsere institutionellen Organisationen und die Arbeitswelt anders planen. Am wichtigsten ist es anzuerkennen, dass der gesellschaftliche Beitrag der Frauen in ihrer Rolle als "caregivers", also als diejenigen, die sich um die Kinder und andere kümmern, gegenwärtig zu Nachteilen für ihre Karriere führt, während ihre Arbeit zugleich einen ökonomischen Wert hat für MINT und für die Gesellschaft. Wir müssen deshalb einfordern, dass Arbeitgeber der Karriere von Frauen eine andere Entwicklungskurve zugrunde legen, ohne sie für ihre Familientätigkeit zu bestrafen. Dazu müssten Arbeitgeber den Wert von Gender-Diversity - der Vielfalt der Geschlechter - am Arbeitsplatz wertschätzen. Geschieht dies nicht, dann wird die heutige Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kaum noch natürliche Nachkommen haben. Auf der institutionellen Ebene müssen wir begreifen, auf welche Weise Innovationen wie das Internet uns erlauben, Arbeit flexibler zu organisieren und so der Work-Life-Balance von Frauen entgegen kommen.

Malisa: Wir brauchen eine intensive Ausbildung in den Bereichen Mathematik und Wissenschaft von der Vorschule an, um ein ausgeprägtes Interesse an diesen Themen zu wecken und Mädchen motivieren, hervorragende wissenschaftliche Leistungen zu erbringen. Das sollte für die Regierung in Bezug auf das Erziehungssystem Priorität haben. Die Finanzierung insbesondere der wissenschaftlichen Ausbildung muss optimiert werden. Das ist der Schlüssel zu Wachstum und Entwicklung in Südafrika.

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