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Frauen in der Forschung:Die Hindernisse auf dem Weg von Frauen

SZ.de: Gibt es konkrete Möglichkeiten, in Südafrika etwas dagegen zu tun?

Malisa: Der Mangel an guten wissenschaftlichen Einrichtungen sowie der Mangel an Vorbildern sind nach wie vor Hindernisse für Frauen in den MINT-Wissenschaften. Und das Finanzierungssystem für Doktorandinnen und Doktoranden lähmt die Lust von Forschenden. Das Gehalt von Doktorandinnen und Doktoranden ist zu gering, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die südafrikanische Industrie muss ausgebaut werden und in der Lage sein, den Doktorandinnen aussichtsreiche Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten zu können. Des Weiteren müssen mehr Forschungs- und Innovationszentren gebaut werden.

SZ.de: Auf welche Hindernisse sind Sie selbst als Wissenschaftlerin gestoßen?

Kahlert: Auf alle oben genannten Barrieren. Offene Diskriminierung ist inzwischen eher selten geworden, aber in subtiler Form sind an der Tagesordnung. Je höher frau auf der wissenschaftlichen Karriereleiter steigt, desto dünner wird die Luft. Eigentlich auf Förderung angelegte professionelle Beziehungen werden "plötzlich" zu Konkurrenzbeziehungen, Netzwerke funktionieren nicht mehr richtig, und in Stellenbesetzungs- bzw. Berufungsverfahren passieren viele merkwürdige Dinge. Der Energieaufwand, den frau betreiben muss, um in der wissenschaftlichen Laufbahn voranzukommen, ist erheblich.

Bodewits: Bei mir ganz klar: Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Es fehlt hier eine Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse hinsichtlich home-office und Arbeitszeiten.

Salo: Mir sind ebenfalls alle bereits genannten Hindernisse begegnet. Die generellen Vorurteile und sogar Gewalt gegen Frauen in der südafrikanischen Gesellschaft erforderten, dass ich resolut geworden bin - manche würden mich sogar als agressiv bezeichnen.

Malisa: Der Druck der gesellschaftlichen Normen, dass ich ab einem bestimmten Alter verheiratet sein und unmittelbar danach Kinder bekommen musste, war eine Hauptbarriere in meiner Karriere. Bedauerlicherweise hat bei mir die Ehe nicht funktioniert und plötzlich musste ich mich alleine um zwei Söhne kümmern. Das hat einen höheren Abschluss verhindert, obwohl der immer mein Wunsch gewesen ist. Meine Karriere hinkt dadurch um zehn Jahre hinterher. Eine nationale Forschungsfinanzierung war zu dieser Zeit noch nicht verfügbar. Erst seit 2006 werden Doktorandinnen und Doktoranden durch den nationalen Forschungsfonds unterstützt.

SZ.de: Sie sind trotz aller Hindernisse heute erfolgreiche Wissenschaftlerinnen. Wie haben Sie das geschafft?

Malisa: Mein Vater hatte bei mir bereits in der Grundschule eine Leidenschaft für Mathematik und Wissenschaft überhaupt geweckt und mich auf die besten Schulen des Landes geschickt. Die Hindernisse, mit denen ich sowohl auf meinem Karriereweg, als auch in meinem persönlichen Leben konfontiert worden bin, haben die Leidenschaft nicht zerstört. Später hat mir Jannie Maree von der Tswane University of Technology eine Chance gegeben, meine Träume zu verwirklichen. Den Erfolg verdanke ich aber letztlich meiner Prinzipientreue, Entschlossenheit und harter Arbeit.

Kahlert: Neben der Leistungsbereitschaft und -fähigkeit hat mir ein kontinuierliches Netzwerken und ein großes Vertrauen in die eigenen Kompetenzen, Stärken und Fähigkeiten geholfen. Es ist wichtig, sich durch Rückschläge nicht entmutigen zu lassen, möglichst gelassen zu bleiben und weiterzumachen. Auch muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein - Zufälle und Glück gehören auch dazu.

Salo: Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich sehr unterstützt und mir die besten Bildungschancen ermöglicht haben. Auch mein Ehemann hat mich immer unterstützt und sich in allen Bereichen der Kindererziehung und der Haushaltsführung die Aufgaben mit mir geteilt. Außerdem hatte ich Mentorinnen. Ich wurde während des Anti-Apartheid-Kampfes von Feministinnen aus meiner Gemeinde beraten, später von Feministinnen an der Akademie. Dazu gehörten Frauen wie meine Mutter oder sogar meine Vermieterin, aber auch berühmte Feministinnen wie Albertina Sisulu und Cynthia Enloe.

Bodewits: Ich habe mich als Unternehmerin selbstständig gemacht. Den Wissenschaftsbetrieb habe ich unter anderem aus oben genannten Gründen verlassen.

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