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Fotografie im Ersten Weltkrieg:Farbfotos dank Kartoffelstärke

Farbige Filmaufnahmen vom Kriegsgeschehen sind nicht überliefert, auch wenn es frühe Versuche gab, drei parallele Schwarz-Weiß-Filme mit Farbfiltern übereinander zu projizieren. Farbige Kriegs-Fotografien hingegen gibt es sehr wohl - und das mit überraschend innovativer Technik. Seit 1861 war die Methode bekannt, drei Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit Farbfiltern zu belichten und übereinander zu projizieren.

Dieses Bild von Hans Hildenbrand zeigt eine Feldkantine des Jahres 1915. Hildenbrand war vor allem im Elsass und den Vogesen unterwegs.

(Foto: Hans Hildenbrand)

Das in der Praxis schwerfällige System bekam 1907 Konkurrenz durch eine Platten-Technik der Brüder Lumière, die diese "Autochrom" nannten. Es war der Vorläufer des echten Farbfilms. Eine mit Kleber bestrichene Glasplatte wurde mit durchsichtigen Kartoffelstärketeilchen in den Farben Orangerot, Grün und Violett bestäubt. Diese Partikel waren so klein, dass bis zu 8000 Teilchen auf einen Quadratmillimeter passten. Sie mussten die Platte lückenlos bedecken, und die Schicht durfte nur ein Korn dick sein. Anschließend wurde eine dünne lichtempfindliche Emulsion darübergegossen.

Dieses in der Nähe von Rethel abgeschossene Luftschiff der französischen Streitkräfte dokumentierte der Deutsche Hans Hildenbrand.

(Foto: Hans Hildenbrand)

In der Kamera traf das Licht von der Glasseite auf die Platte; die unterschiedlich farbigen Stärketeilchen wirkten wie winzige Farbfilter, die jeweils nur einen Farbbereich des Lichtspektrums auf die lichtempfindliche Schicht durchließen. Nach der Entwicklung entstand auf diese Weise ein Glasdia von reizvoller, pointilistischer Farbigkeit.

Musste bis dahin das Motiv für eine farbige Darstellung dreimal abgelichtet werden, genügte nun eine einzige Aufnahme. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entstanden mit dieser Technik Hunderttausende Farbaufnahmen. Wer den Weltenbrand heute in authentischen Farben sehen will, findet zwar kein Filmmaterial, kann aber auf mehrere Tausend Autochromen zurückgreifen. Die meisten davon stammen von französischen Bildreportern. Im Frühjahr 1915 war die Fotografische Abteilung der Armee gegründet worden. Angeheuert wurden zunächst 15 Fotografen, die vorwiegend das Leben in der Etappe dokumentierten. Da die Belichtungszeiten für Momentaufnahmen lang waren, musste jede Art von Bewegung nachgestellt werden.

Der Deutsche Hans Hildenbrand fotografierte diesen Schützengraben im Oberelsass im Jahr 1916. Weil das verwendete Autochrom-Verfahren lange Belichtungszeiten brauchte, mussten aufgenommene Personen lange stillhalten.

(Foto: Hans Hildenbrand)
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