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Fossile Milbe:Trip in den Tod

Einen einzigartigen Fund haben deutsche und britische Wissenschaftler in Bernstein gemacht: Eine winzige Milbe, die vor 44 Millionen Jahren eine Spinne als Transportmöglichkeit ausnutzte.

Dieser Trip ist furchtbar schiefgegangen: Eine winzige Milbe, die sich vor mindestens 44 Millionen Jahren von einer Spinne auf dem Rücken mitnehmen lassen wollte, war mit dieser zusammen in Baumharz geraten und gestorben.

Fossile Milbe

Eine Milbe auf dem Rücken einer Spinne im Bernstein (oben links) ist erst in den CT-Aufnahmen deutlich zu erkennen. Sogar die Unterseite (unten rechts) des kleinen Anhalters lässt sich darstellen.

(Foto: University of Manchester)

Jetzt haben Wissenschaftler von der Humboldt-Universität in Berlin zusammen mit Kollegen der University of Manchester beide Tiere in baltischem Bernstein entdeckt und identifiziert.

Mit bloßem Auge ist die Milbe kaum zu erkennen. Mit Hilfe eines Computertomographen konnten die Forscher das 0,176 Millimeter kleine Spinnentier von allen Seiten in hochauflösenden 3-D-Aufnahmen festhalten, wie sie im Fachblatt Biology Letters berichten. Anhand der Bilder, die auch die Unterseite des Gliedertierchens erkennen lassen, erkannten sie einen Vertreter der Histiostomatidae.

Nun ist auch klar, wieso die Milbe auf der Spinne saß: Vertreter dieser Familie leben noch heute. Sie fressen Bakterien und lassen sich von Insekten von einem Ort zum nächsten transportieren, in der Hoffnung, frischen Dung oder Tierkadaver zu finden. In der Vergangenheit - das belegt der Fund - nutzten sie offenbar auch Spinnen dazu.

Bernstein ist Baumharz der Urzeit, der manchmal lebende Tiere umschlossen hat, bevor er hart wurde und fossilierte. Die Tiere, die in der Flüssigkeit sterben, sind gewissermaßen in der Bewegung erstarrt und werden in ihrer ursprünglichen Form konserviert.

Deshalb sind solche Funde besonders aussagekräftig. Allerdings findet man nur äußerst selten so deutliche Hinweise auf Interaktionen zwischen Lebewesen.

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Tiere im Bernstein