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Fortpflanzungsmedizin:Embryonen auf Eis

Auch in anderen Bereichen der Fortpflanzungsmedizin hat der falsch verstandene Embryonenschutz grausame Folgen. So gehört Deutschland zu den wenigen Ländern in Westeuropa, die Paaren mit der Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit die genetische Analyse ihrer Embryonen im Reagenzglas verbieten.

Diese sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) würde es erlauben, Embryonen auszuwählen, die die Gene für die Krankheit nicht tragen - für so schwere und quälende Erbleiden wie die Mukoviszidose oder die Myotone Dystrophie. Doch selbst wenn Eltern bereits Kinder mit solchen Krankheiten haben oder den Tod eines Kindes miterleben mussten, bleibt ihnen die Genanalyse verwehrt.

Später ist Abtreibung erlaubt

Die Embryonen werden auf diese Weise geschützt; später jedoch, falls sich herausstellt, dass das Ungeborene zu einem schwerkranken Fötus herangewachsen ist, ist die Abtreibung erlaubt. Statt einer solchen Schwangerschaft auf Probe sollte der Gesetzgeber lieber die Zeugung auf Probe erlauben, wie sie für die PID nötig wäre. Dafür hat sich im Jahr 2003 auch schon der Nationale Ethikrat mehrheitlich ausgesprochen.

Es ist nicht zu befürchten, dass diese Technik eine neue Eugenik und die Diskriminierung von Behinderten befördert. Es geht nur darum, schreckliche Krankheiten auszuschließen, mit der die Familie bereits grauenhafte Erfahrungen gemacht hat. Gewiss müsste die PID restriktiv geregelt sein. Diese Form der Früherkennung darf nicht für jedes genetische Merkmal - wie etwa die Augenfarbe - erlaubt werden, sondern sollte auf wenige schwere Erbkrankheiten beschränkt bleiben.

All diese Überlegungen müssten in ein in Deutschland längst überfälliges, zeitgemäßes Fortpflanzungsmedizin-Gesetz einfließen - zweifelsohne wird das für den Gesetzgeber eine schwere Geburt. Die Abgeordneten müssten zwischen verschiedenen Ansprüchen abwägen - dem Kinderwunsch vieler Menschen, dem Schutz ihrer Gesundheit und gewiss auch dem Schutz des Embryos.

Schon vor Jahren hat eine Arbeitsgruppe um die damalige Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) diese Notwendigkeit erkannt, doch seither liegt der Gesetzentwurf ebenso auf Eis wie mancher Embryo.