FortpflanzungWeißt du, wie viel Spermien schwimmen

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Daumen drücken und anfeuern: Ein Test für zu Hause soll Paaren verraten, wie fruchtbar sie sind.

Andreas Grote

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Wenn Paare sich für Nachwuchs entschieden haben, dann soll es in der Regel schnell gehen. Die Firma Genosis hat jetzt einen Fruchtbarkeitstest für zu Hause entwickelt. Er zeigt an, ob der Mann genügend bewegliche Spermien für eine natürliche Befruchtung hat.

"Fertell" ahmt den zähen Zervixschleim im Gebärmutterhalskanal nach, den die Spermien auf ihrem Weg zur Eizelle passieren müssen. Nach dem Befüllen mit einer Spermaprobe haben die Spermien etwa eine halbe Stunde Zeit, durch ein mit Hyaluronsäure gefülltes Röhrchen zu schwimmen.

Am anderen Ende warten Antikörper, die eine Farbreaktion auslösen. Kommen mindestens zehn Millionen Spermien an, dann signalisiert ein roter Farbstrich, dass der Mann nach Richtlinie der Weltgesundheitsorganisation WHO normal viele bewegliche Spermien besitzt.

In der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Human Reproduction (Bd.21, S.145, 2006) vergleicht der Reproduktionsmediziner Chris Barratt von der Universität Birmingham, der an der Entwicklung beteiligt war, den Heimtest mit zwei etablierten Labormethoden.

Bei insgesamt 129 Spermaproben kam Fertell in 95 Prozent zum gleichen Ergebnis. Damit besitzt Fertell zwar eine gute Trefferquote. "Doch die Aussagekraft des Tests ist an sich nur sehr bedingt", meint Frank-Michael Köhn vom Andrologicum München.

Denn letztendlich sage Fertell nur etwas über die Anzahl und die Beweglichkeit der Spermien aus. Um die Fruchtbarkeit eines Mannes zu beurteilen, seien aber weitere Faktoren ausschlaggebend.

So beachte der Test weder die Qualität der Spermien noch kontraproduktive Antikörper oder Infektionen, wie es ein richtiges Spermiogramm im Labor vermag.

"Falsche Sicherheit"

Entsprechend bedeutet ein roter Strich noch lange nicht, dass der Mann zeugungsfähig ist. Genauso wenig bedeutet ein negatives Ergebnis das Gegenteil.

"Da das Ergebnis von der psychischen und physischen Tagesform des Spermaspenders abhängt, empfiehlt die WHO nach einigen Wochen einen Kontrolltest", so Köhn, bei grenzwertigem Ergebnis sogar noch einen dritten. Doch das dürfte vielen Paaren zu teuer sein.

Chris Barratt denkt, dass Fertell Paare schon früh auf mögliche Zeugungsprobleme hinweisen kann. Das spart seiner Ansicht nach wertvolle Zeit, wenn die biologische Uhr bereits tickt.

Andere Reproduktionsmediziner lehnen Fertell jedoch eher ab. "Ein positives Testergebnis könnte Paare in falscher Sicherheit wiegen", befürchtet Eberhard Nieschlag vom Institut für Reproduktionsmedizin der Universität Münster.

Zwar tauge Fertell durchaus als Orientierung. "Gerade ältere Paare, bei denen das biologische Zeitfenster schnell kleiner wird, sollten jedoch lieber gleich ein aussagekräftiges Spermiogramm machen lassen", sagt Köhn.

Da die Ursache für eine ausbleibende Schwangerschaft gleich häufig beim Mann wie bei der Frau liegt, enthält Fertell auch einen Fruchtbarkeitstest für Frauen. Er misst den Spiegel des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH) im Urin, dessen Anstieg mit nahenden Wechseljahren assoziiert ist.

"Aber auch das ist nur ein Aspekt unter vielen, ob die Frau tatsächlich fruchtbar ist", sagt Nieschlag. Fertell ist für etwa 115 Euro in Großbritannien erhältlich. Im Herbst soll der Test auch auf den deutschen Markt kommen.

© SZ vom 17.1.2006 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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