Forschung Von zugedröhnten Oktopussen und anderen Seltsamkeiten

Tintenfische umarmen sich heftig, wenn sie unter Drogen stehen, fanden Forscher heraus.

(Foto: dpa)

Es mag ja Spaß machen, Tiere unter Drogen zu setzen oder das Psychogramm von Ötzi zu erstellen. Aber hat das noch etwas mit seriöser Wissenschaft zu tun?

Kommentar von Tina Baier

Oktopusse sind immer gut für eine lustige Geschichte. Sie brechen aus ihrem Aquarium aus, klauen Fische und spielen Unter-Wasser-Pingpong. Seit dieser Woche ist außerdem bekannt, dass sich die Tiere mit ihren vielen Tentakeln liebevoll umarmen, wenn man sie - und auf die Idee muss man erst mal kommen - vorher in Ecstasy badet. Oktopusse sind auch nur Menschen, oder so ähnlich, folgern die zuständigen Wissenschaftler aus ihrem Experiment. Wahrscheinlich tanzen die Kraken auch nächtelang durch, wenn sie auf Drogen sind, aber das gilt es erst noch herauszufinden.

Gleich zweimal wurden in den letzten Wochen der älteste Käse entdeckt

Oft wurde Wissenschaftlern ja vorgeworfen, weltfremd in ihrem Elfenbeinturm zu sitzen, unfähig, dem Rest der Menschheit zu erklären, was sie da eigentlich machen, geschweige denn, was ihre Arbeit mit dem Alltag ganz normaler Menschen zu tun hat. Grundsätzlich ist es ja gut, wenn Forscher versuchen, ihre Ergebnisse verständlich zu erklären und so darzustellen, dass sich möglichst viele Menschen dafür interessieren.

In letzter Zeit beschleicht einen allerdings das Gefühl, dass manche dabei etwas über die Stränge schlagen. Gerade ist man noch damit beschäftigt, die unglaubliche Nachricht von den zugedröhnten Tintenfischen zu verdauen, schon wartet ein anderes Forscherteam mit der nächsten Sensation auf: dem vermutlich ältesten Tier der Welt. Das fossile Etwas könnte vom Aussehen her alles sein: Blatt, Flechte, Pilz oder irgendetwas ganz anderes. Die Forscher fanden darin jetzt aber Fettmoleküle, die - und jetzt bitte festhalten - seien typisch für Menschen!

Überhaupt ist es erstaunlich, was die Wissenschaft inzwischen alles aus fossilen Lipidresten herauslesen kann. Gleich zweimal wurde in den vergangenen Wochen mithilfe solcher Analysen zum Beispiel der älteste Käse entdeckt. Und von der mehr als 5000 Jahre alten Ötzi-Mumie wurde neulich "mit modernem psychologischem Testverfahren" allen Ernstes ein Persönlichkeitsprofil erstellt. Ötzi war demnach ein Anführer, Ästhet und Querdenker.

Hinter den lustigen Geschichten steckt leider ein ernstes Thema, das unter Wissenschaftlern schon seit Langem diskutiert wird: Das Phänomen nämlich, dass immer mehr wissenschaftliche Studien erscheinen, die Qualität der Arbeiten im Durchschnitt aber abnimmt. Am angesehensten sind diejenigen Wissenschaftler, die die meisten Studien publizieren und über deren Ergebnisse am meisten geredet wird, unter Wissenschaftlern, aber durchaus auch in den Medien. Wohlgemerkt geht es hier nicht um Fälschung. Die meisten Forscher machen zwar durchaus klar, wenn es sich bei ihren Schlussfolgerungen um Spekulationen handelt. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, wie viel Spekulation seriöse Wissenschaft verträgt.

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