Raumsonde Osiris-Rex Jagd auf den Asteroiden

Osiris-Rex soll den Asteroiden zunächst ein Jahr lang beobachten und dann Proben nehmen.

(Foto: AP)

Die Raumsonde "Osiris-Rex" bricht zu einem spektakulären Manöver auf: Sie soll einen Asteroiden streifen und Proben sammeln. Das könnte helfen, die Erde vor Einschlägen zu bewahren.

Von Alexander Stirn

Ein Raumfahrzeug, das seinem Ziel zu nahe kommt und daran entlangschrammt, ist der Albtraum jedes Missionsplaners. Es sei denn, das Raumfahrzeug heißt Osiris-Rex . Die US-Sonde mit dem seltsamen Doppelnamen, die sich derzeit in Florida auf ihren Start vorbereitet, soll genau dieses Kunststück vollbringen - und dabei überleben. Alles im Dienste der Wissenschaft: Astronomen erhoffen sich vom Einsatz des kosmischen Kunstpiloten neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems und den Schutz der Erde vor Einschlägen aus den Tiefen des Alls.

Das Ziel, an dem Osiris-Rex dichter vorbeifliegen soll als je eine Sonde zuvor, heißt Bennu und ist ein Asteroid. Der gut 500 Meter große Himmelskörper, benannt nach einem göttlichen Vogel aus der ägyptischen Mythologie, braucht etwa 400 Tage, um die Sonne zu umrunden. Alle sechs Jahre kommt er dabei der Erde besonders nahe. Osiris-Rex nutzt diese Konstellation aus.

Vielleicht hilft die Mission, Himmelskörper abzulenken, die auf Kollisionskurs zur Erde sind

Gelingt ihr Start, der für die Nacht auf diesen Freitag geplant ist, dann wird die mehr als zwei Tonnen schwere Sonde in den nächsten Jahren Jagd auf Bennu machen. Im Juli 2020 soll sich Osiris-Rex schließlich so nahe an den Asteroiden herangetastet haben, dass ihr gut drei Meter langer Saugarm an Bennu heranreicht. Genau in jenem Moment wollen Astronomen zusätzlich Stickstoff auf die Oberfläche des Himmelskörpers blasen - in der Hoffnung, Staub, Dreck und Gesteinsbrocken bis zu einer Größe von zwei Zentimetern aufzuwirbeln. Eine Art Staubsauger vergleichbar mit dem Luftfilter eines Autos soll die Körner einsaugen und sicher an Bord der Sonde verstauen. Forscher hoffen auf mindestens 60 Gramm Asteroidenstaub, im Idealfall sogar auf bis zu zwei Kilogramm.

Drei Versuche hat Osiris-Rex, bei denen die Sonde jeweils fünf Sekunden lang mit einer Geschwindigkeit von nicht einmal 0,4 Kilometern pro Stunde am Asteroiden vorbeischrammen wird. Nach getaner Arbeit geht es dann zurück zur Erde. Erst im September 2023, sieben Jahre nach dem Start, soll die Sonde ihre Probenkapsel dann an einem Fallschirm über der Wüste Utahs abwerfen - bereit zur Analyse in irdischen Labors.

"Wir erwarten, dass die Proben organische Moleküle aus der Frühzeit des Sonnensystems enthalten und uns dadurch Hinweise auf den Ursprung des Lebens liefern", sagt Missionsleiter Dante Lauretta von der University of Arizona. Asteroiden wie Bennu, die sich in der Anfangszeit des Sonnensystems geformt haben, könnten einst mit der Erde kollidiert sein und dabei die Bausteine für primitive Lebensformen hinterlassen haben. Zudem sind sie seit fast 4,5 Milliarden unverändert geblieben - ein wertvolles Archiv, in dem Osiris-Rex nun Staub wischen soll.

Bennu und viele andere Asteroiden sind aber nicht nur mögliche Lebensspender, sie können auch Leben vernichten. Der 60 Millionen Tonnen schwere Brocken gehört zu einer Klasse von Asteroiden, die regelmäßig die Erdbahn kreuzen und dabei dem Planeten gefährlich werden können. Osiris-Rex soll deshalb Daten über Bennus Aufbau sammeln. Astronomen erhoffen sich davon Erkenntnisse, wie Asteroiden abgelenkt oder zerstört werden können, sollten sie eines Tages Kollisionskurs mit der Erde aufnehmen.

Bis es bei Bennu so weit sein wird, dürfte allerdings noch sehr viel Zeit vergehen. Erst Ende des 22. Jahrhunderts soll der Gesteinsbrocken dem Blauen Planeten bedrohlich nahekommen - sofern Osiris-Rex den Asteroiden beim geplanten Streifschuss nicht versehentlich aus seiner Bahn wirft.

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