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Forschung:Auf das Timing kommt es an

Was macht einen Witz wirklich witzig? Um das herauszufinden, hat eine amerikanische Informatikerin einen Roboter programmiert und ihn vor Publikum scherzen lassen.

Von Julian Rodemann

Sprachassistenten wie Siri oder Alexa erzählen auf Wunsch auch mal einen Witz. Darüber lacht aber kaum jemand so herzlich wie über Gags der besten Freunde. Um herauszufinden, was Witze eigentlich witzig macht, hat die Informatikerin Naomi Fitter von der Oregon State University einen Roboter programmiert und ihn Witze vor Publikum erzählen lassen.

Anders als menschliche Comedians redet "Jon the Robot" allerdings nicht nur. Er hört auch zu und nimmt die Reaktionen der Zuschauer auf. So konnten Fitter und ihr Kollege John Vilk feststellen, wann die Witze zündeten und wann nicht. "Jon the Robot" trat über 30-mal vor unterschiedlichen Gästen auf. Dabei variierte der knapp 60 Zentimeter große Witzbold seinen Stil: Mal wartete er mit dem nächsten Gag immer gleich lang, mal passte er die Pausen an das Lachen der Zuhörer an.

Über Witze von Sprachassistenten wie Siri oder Alexa lacht kaum jemand so herzlich wie über die von guten Freunden.

(Foto: Priscilla du Preez/unsplash)

Manchmal ging er sogar auf die Reaktionen des Publikums ein. Seine Auftritte würden kaum besucht, klagte er zum Beispiel auf der Bühne. "Die Leute halten mich wohl für zu roboterhaft." Wurde gelacht, schob er hinterher: "Bitte erzählen Sie den Verkaufsstellen, wie witzig der gerade war." Blieb das Lachen aus, machte der Roboter mit einem anderen Witz weiter. Derlei Reaktionen auf das Publikum sorgten im Schnitt jedoch nicht für mehr Lacher. Das richtige Timing der Witze in Form angemessener Pausen verbesserte die Resonanz hingegen deutlich.

© SZ vom 08.06.2020

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